Preisliste Paradox: Leder Cuoio oder lackierte Seitenschweller?

  • Hallo zusammen,

    und zunächst mal ein Sorry, weil schon wieder ein Neuankömmling den Server mit Fragen zumüllt, die vor allem ihn und weniger die Welt bewegen !gruebel!

    Ich habe mich in diesen Tagen entschieden, mir eine neue Giulietta zu bestellen. Der erste Alfa. Aufregend.

    Geködert hat mich ihre Schönheit und das verlockende 4000 Euro-Rabattangebot für den Super. Überzeugt haben mich die unfassbar guten Fahreigenschaften bei der Probefahrt. Die Verhandlungen mit dem hiesigen Händler biegen auf die Zielgerade in Richtung Kaufvertrag. Ich war heute da und habe mir ein Angebot machen lassen, das ich mit ein bisschen Feinschliff in Ordnung finde.

    Gesetzt für mich ist die Kombination aus Lackierung in „Nero Etna“ und Innenausstattung in Leder Cuoio. Also nehme ich den 1.4 TB Super mit Komfortpaket und ein paar Extras.

    Als ich dann am Nachmittag nochmal mit pochendem cuore sportivo über den Hof des Händlers schlich und mir die Nase an diversen Scheiben plattdrückte, fiel mir allerdings etwas auf, was ich in der Preisliste bisher übersehen hatte und auch vom Konfigurator geschickt verheimlicht wird:

    Ohne Sportpaket hat das Julchen keine lackierten Seitenschweller. Und ohne lackierte Seitenschweller sieht sie ziemlich nackt aus. In der Übersicht zum Sportpaket I wird der Wert der lackierten Seitenschweller zwar auf einen Einzelpreis von 150 Euro beziffert. Nur leider gibt es sie nicht als Einzeloption zu bestellen.

    Bin ich der erste, der sich in den Wirren der Giulietta-Konfiguration verirrt und plötzlich vor dem Dilemma steht, dass man eine Giulietta aus unerfindlichen Gründen nur mit braunen Sitzen (ohne Sportpaket) ODER lackierten Seitenschwellern (mit Sportpaket) bekommt?

    Da ich weder auf das eine noch auf das andere verzichten will, scheint es unvermeidlich, die Seitenschweller über den Zubehörkatalog zu ordern. Ein Nachrüstsatz wird dort angeboten: „Bestehend aus 2 Teilen, die in Kombination zu verwenden sind“. Man kann sie wohl auch ab Werk in Wagenfarbe lackieren lassen.

    Hat das schon mal jemand von Euch gemacht und kann mir sagen, was da kostenmäßig zu erwarten ist?

    Oder hat umgekehrt mal jemand probiert, die Giulietta mit gutem Zureden ab Werk mit Seitenschwellern zu bekommen?

    Oder gar das Sportpaket zu ordern, aber auf Leder Cuoio zu bestehen?

    Einmal editiert, zuletzt von lunaticfactor (1. Mai 2011 um 00:41)

  • Frag einfach mal beim Händler nach was der dir für Bestellung und Anbau der Seitenschweller berechnen würde. Ich hatte auch Interesse an einem Teil welches nicht einzeln aus dem Zubehörkatalog bestellbar war und da konnte der Händler direkt mir einen Preis machen.

    Ich persönlich hab auch kein Sportpaket und damit keine Seitenschweller an meiner Giulietta, finde aber nicht, dass das die Optik sonderlich stört. Aber alles Geschmackssache ;)

  • Hi ...
    Ich hatte damals das gleiche Problem - Sport-Paket und beiges Leder sind (kurioser Weise) nicht möglich !
    Da ich auf das SP nicht verzichten wollte , hab ich auf Teilleder zurückgegriffen !
    Hab allerdings auch nicht nachgebohrt ob es eine außertürliche Lösung gäbe !

  • Es gibt keine Möglichkeit außer dem Nachrüsten, da wirste aber mit allem so bei 400EUR - 500EUR liegen, da die Teile ja lackeirt werden müssen.

    Also entweder hopp oder topp oder in sauren Apfel beißen und nachrüsten.

  • Es gibt keine Möglichkeit außer dem Nachrüsten, da wirste aber mit allem so bei 400EUR - 500EUR liegen, da die Teile ja lackeirt werden müssen.

    Also entweder hopp oder topp oder in sauren Apfel beißen und nachrüsten.

    Das entspricht leider der Wahrheit. Es ging uns genauso und der Händler meinte man könnte die Seitenschweller durchaus über das Zubehörprogramm bestellen. Für die Anbringung vor Ort einschl. Lackierung wären dann ca. 500€ Mehrpreis zu zahlen.

  • in Österreich gabs das ja glaub ich von anfang an. bei uns in Deutschland gibts die seitenschweller nur mit sportpaket und nicht einzeln.
    hätte das auto auch nicht ohne die schweller wollen, bei mir stellte sich aber die frage nicht, da ich sowieso das sportpaket wollte.

  • Danke für die Rückmeldungen! Zumindest trostreich, dass ich nicht der erste bin, der vor diesem Problem steht. 500 Euro - das war ungefähr die Hausnummer, die ich befürchtet hatte. Aber für mich bleibt es dabei: Leder Cuoio muss sein, lackierte Seitenschweller müssen auch sein. Sinn und Zweck einer Neuwagenbestellung ist doch gerade, dass man bei der Ausstattung keine Kompromisse machen muss.

    Habe meinen Händler noch nicht gefragt, werde aber dann nochmal berichten, was er preislich aufruft.

    Nachdem ich schon fast den Stift zur Vertragsunterschrift gezückt hatte, benötige ich jetzt ohnehin noch ein paar Tage Bedenkzeit.

    Eigentlich brauche ich bei 25.000km im Jahr einen Diesel (obwohl ich den Klang von landwirtschaftlichem Gerät in meinem Auto nicht sonderlich schätze). Aber der 105 PS-Diesel scheint mir doch ein bißchen untermotorisiert. Der 150 PS-Diesel ist zu teuer. Und beide Diesel gibt es nicht mit dem 4000-Euro-Rabatt (was eigentlich ein willkommenes Argument ist, um keinen Diesel kaufen zu müssen).

    Nicht zuletzt: Meine jetzige Automarke Saab scheint dem Sensemann ja mal wieder vorläufig von der Schippe gesprungen zu sein. Bislang dachte ich immer: Wenn ich etwas anderes bestelle als einen Saab, komme ich für meinen Verrat in die Hölle. Aber wenn es ein Alfa ist, droht mir vielleicht nur das Fegefeuer.

  • Finde auch, dass Saab und ALfa recht eigenständige autos sind, die nicht jedermann fährt...
    Der neue große SAAB gefällt mir ausnehmend gut, hat auch recht günstigen Neupreis...wäre er keine Alternative? Progressiver als mit Julchen wärst du...!cool!

    Diesel oder Benziner...eine Gretchenfrage...aufgrund fehlenden 4000 Euro Rabatts(wieviel gibts denn dann?) und des relativ hohen Preises spricht doch vieles für die 170 Ps Variante...lässt man Geld beiseite muss halt der persönliche Geschmack entscheiden...echt schwierige Wahl!

    PS wenn es Option 'lackierte Schweller' in A gibt, könnte es doch evt. möglich sein, sie über Sonderanfrage zu bestellen.

  • Den 4.000 Euro-Rabatt gibt es nur auf den 1.4 TB Super mit 120 PS. Den Motor habe ich gefahren. Ist für mich völlig ausreichend.

    Beim Diesel wiederum bekommt man natürlich auch einen verhandelbaren Rabatt, allerdings liegt er im Listenpreis auch deutlich höher – selbst als Kassengestell mit 105 PS. Im Netz bekommst du für den Diesel zwar auch satte 18 Prozent Rabatt. Ich bin da aber ein bißchen altmodisch: Wenn ich mir einen Neuwagen bestelle, gehört die Vorfreude dazu. Und zur Vorfreude gehört wiederum, dass ich meinen Händler bei den Preisverhandlungen nicht erpresse. Also liegt man mit Journalistenrabatt bei etwa 15 Prozent. Ich möchte nicht der dümmste Kunde des Jahres sein. Allerdings auch nicht der ätzendste Kunde des Jahres.

    Was die Seitenschweller angeht … eine Sonderanfrage wäre den Versuch wert. Ansonsten denke ich aber, die nachträgliche Montage sollte noch im Rahmen der Verhandlungsmasse liegen. Ich hab noch nicht wieder mit dem Verkäufer gesprochen, weil ich die Grundsatzentscheidung noch nicht treffen konnte.

    Alles gar nicht so leicht mit dem Kraftfahrzeugerwerb ... Die Giulietta ist eine schöne Diva, und der Saab ist mein Freund.

    Wie anständige Alfisti habe auch ich eine hohe emotionale Bindung an meine eigenwillige kleine Automobilmanufaktur. Dummerweise baut sie nur gegenwärtig kein Auto, das so richtig zu mir passt. Der 9-5 ist zwar optisch sehr gelungen, aber er ist ein Riesenschiff – und leider auch ungefähr so fahraktiv wie ein Kreuzfahrtdampfer. Der aktuelle 9-3 vermittelt mir zwar das typische „Willkommen zuhause“-Gefühl. Aber wenn ich von ihm in meinen 13 Jahre alten 9-3 umsteige, frage ich mich, wo der technische Fortschritt ist, der eine Investition von 25.000 bis 28.000 Euro rechtfertigt. Unverändert schön finde ich das 9-3 Cabrio, aber das ist mir zu teuer. Und der neue 9-3, der neben BMW-Motoren auch endlich wieder ein klassisches Fließheck bekommen soll, lässt wiederum bis Ende 2012 auf sich warten. Wenn er denn überhaupt noch das Licht der Welt erblickt.

    Erschwerend kommt hinzu: Ich hänge nicht nur an Saab, sondern auch an meinem Saab. Und ich habe ihn mit sklavischer Disziplin gepflegt. Jedes Mal, wenn ich mich bei einem Händler nach einer möglichen Inzahlungnahme erkundige, fragt der zuerst: „Wieso wollen Sie DIESES Auto denn verkaufen?“. Das macht es nicht unbedingt leichter. Es gibt allerdings auch ein paar gute Gründe zum Verkauf: Zum einen säuft er im Stadtverkehr wie ein nordschwedischer Holzfäller mit endogener Depression (im Winter gerne mal 17 bis 18 Liter). Und zum zweiten habe ich auch mal Lust auf etwas Neues.

    Also taste ich mich seit einigen Monaten behutsam an den Gedanken heran, eine andere Marke in Betracht zu ziehen – und war jedes Mal erleichtert, weil mich kein anderes Auto überzeugte. Der Lancia Delta fiel aufgrund seiner indiskutabel miesen Lenkung raus. Der Volvo C30 gefiel mir bei der Probefahrt gut, seit dem Facelift sieht er allerdings von vorne aus, als ob eine x-beliebige japanische Stahlpresse ihn lustlos in die Welt gerotzt hätte. Und vergleichsweise teuer ist er obendrein. Der Citroen C5 ist zwar im Leasing ausgesprochen günstig, aber optisch zu langweilig. Die Liste der Probefahrten ließe sich fortsetzen. Ich gebe zu: Ich bin kein einfacher Kunde.

    Nur die Giulietta wollte ich nach der Probefahrt gar nicht mehr hergeben. Sie sitzt wie ein Maßanzug, die Fahrwerksabstimmung ist genial, am Design kann ich mich nicht sattsehen … und vor allem: Sie ist endlich mal wieder ein Neuwagen mit Seele. Da verzeihe ich sogar, dass das Zündschloss definitiv an der falschen Stelle sitzt.:)

  • lunaticfactor
    An deiner Stelle würde ich keine Sekunde über den Diesel nachdenken, da der 120er Benziner doch locker mit 6-8l fahrbar ist.

    Ansonsten kann ich dir nur sagen: Bis vor 2, 3 Jahren dachte ich auch, ich könne nichts anderes als Alfa fahren. Heute prangt auf meinem Lenkrad ein Ford-Emblem, und ich breche weder jeden Tag in Tränen aus, noch habe ich Depressionen :-]
    So schlimm ist es nicht die Marke zu wechseln, und wenn Saab in 2, 3 Jahren wieder was neues bringt, kannst du doch immer noch zurück wechseln. Vielleicht packen die dann ja sogar noch einen Marken-Wechsel-Bonus oben drauf !hehe!

    PS: Und nicht vergessen, vor dem Besucht in der Alfa-Werkstatt immer ein Valium oder Antidepressiva schlucken :-]

  • Hallo zusammen,

    danke für die Rückmeldungen.

    Im Hinblick auf die Seitenschweller bin ich seit gestern schlauer. Der Händler ruft inklusive Lackierung und Montage satte 800 Euro auf. Da musste ich erst einmal ruhig in eine Plastiktüte ein- und ausatmen.!augenmach!

    Ich werde also nochmal in mich gehen, ob das Leder Cuoio wirklich so unverzichtbar ist, oder ob es die Teilledersitze im Sportpaket I nicht auch tun.

    So oder so komme ich in meiner Wunschkonfiguration trotz 4.000 Euro-Rabatt auf einen stolzen Preis.

    Variante Komfortpaket und Seitenschweller nachgerüstet: 25.455 Euro

    Variante Sportpaket I: 24.485 Euro

    (jeweils enthalten: Cruise Control, Außenspiegel elektrisch anklappbar, Glasschiebedach Panorama, Scheibenwaschdüsen beheizbar, Parksensoren, Nero Etna, Leichtmetallräder Sport I, Leder-Sportlenkrad, Mittelarmlehne vorne, Raucherpaket, Sportpedale, zweiter Schlüssel, Beifahrersitz höhenverstellbar, elektr. Lordosenverstellung, Sitzheizung, Premium Soundsystem, Blue&Me, My-Port, Multifunktionstasten am Lenkrad, Wechsel der Sommerreifen gegen Ganzjahresreifen, Händlerbereitstellung)

    Für einen weißen Saab 9-3 SportCombi mit 160 PS-TTID in guter Ausstattung und mit Tageszulassung zahle ich 25.950 Euro. Einen Satz Winterreifen auf Saab-Alufelgen legt der Händler noch oben drauf.

    Die Entscheidung zwischen Saab und Alfa spitzt sich also nun auf zwei konkrete Optionen zu.

    Was die Giulietta-Motorisierung angeht, so ist der Drops gelutscht. Mein Händler hat mir für dieses Wochenende den 105 PS-Diesel zum Praxistest mitgegeben (den 120 PS-Benziner habe ich ja schon gefahren und war sehr angetan).

    Fazit: Der kleine Diesel ist für mich persönlich nichts. Auf der freien Bahn zwischen Tempo 120 und 160 ist er ausreichend. Aber im Stadtverkehr geht mir die Kombination aus lautem, vibrierendem Diesel, störrischem ersten Gang und Start/Stop-Automatik auf die Nerven. Das Turboloch ist schon sehr ausgeprägt, und die Motorisierung wirkt einfach unharmonisch. Hinzu kommt: Der Bordcomputer des Vorführwagens zeigt über die letzten 5.000 Kilometer einen Durchschnittsverbrauch von 7,2 Litern an. Und auch in meinem Fahrbetrieb hat er die letzten zwei Tage deutlich über 7 Liter geschluckt. Wenn ich mich für das Selbstzünderkassengestell entscheide, dann erwarte ich an der Zapfsäule mehr Entschädigung für meinen Verzicht.

    Was mir beim Praxistest sonst negativ auffällt: Die harten Sitze sind auf Dauer eher unbequem. Der hakelige 1. Gang stört (wurde hier im Forum ja schon diskutiert). Die Verarbeitung wirkt zwar solide, die Materialauswahl ist allerdings zum Teil eher mäßig.

    Was mir beim Praxistest positiv auffällt: Die Giulietta ist so schön, dass man ihr fast alles verzeiht.

    Nur ob ich ihr den Preis verzeihe, weiß ich noch nicht.

  • Mein lieber Mann, was hast du denn alles in den Eimer rein gepackt, dass der so teuer sein soll?
    Die Giulietta Super gibts doch schon ab 17'900.- !augenmach!

    Den 105 PS-Diesel bin ich auch gefahren (allerdings im Fiat Bravo) und war ehrlich gesagt positiv überrascht. Der war auf der AB leiser als mein alter 159 2.4, und der Verbrauch lag bei zurückhaltender Fahrweise bei 5-5.5l.

  • Salut zusammen!

    Manchmal ist es doch witzig, seinen eigenen digitalen Spuren in die Vergangenheit zu folgen. Ich erinnerte mich dieser Tage daran, dass ich hier vor mehr als zehn Jahren über den Kauf einer neuen Giulietta räsonierte. Nun schließt sich der Kreis.

    Doch zunächst: Es wurde nichts mit einer fabrikneuen Giulietta anno 2011. Ich war damals noch nicht bereit zum Markenwechsel von SAAB. In den Jahren danach folgten bei mir verschiedene SAAB-Modelle, alle waren auf ihre Weise toll und weitgehend problemlos. Der letzte in der Reihe ist ein klassischer, schön erhaltener 1992er SAAB 900 Turbo als dunkelblaues Coupé. Den habe ich immer noch.

    Neben den schwedischen Klassiker traten wechselnde moderne Dienstwagen eines deutschen Herstellers. Alle verrichteten ihren Dienst ordentlich und störungsfrei. Ich gehöre nicht zu denen, die anderer Leute Fahrzeugwahl herabwürdigen müssen, um sich über die eigene Wahl freuen zu können. Nur ist eben genau das der springende Punkt: Ich fuhr im Alltag ständig Autos, die für ANDERE Leute gebaut wurden. Nicht für mich. Und irgendwie hatte ich zunehmend das Gefühl: Dafür ist das Leben zu kurz.

    Aus diesem Gefühl heraus - und aus fehlgeleiteter Abenteuerlust - kaufte ich mir dann im letzten Sommer ein Traumauto meiner Kindheit: Einen Jaguar XJ40 als Sovereign mit 4-Liter Sechszylinder von 1990. Ein gutes Jahr später, um eine Erfahrung reicher und sehr viel Geld ärmer wollte ich nur noch eines: Weg mit dem Ding. Zwar war er nun weitgehend durchrepariert. Aber ich hatte darüber eindeutig die Lust verloren.

    Also überlegte ich, wie ich zwei Wünsche unter einen Hut bringen könnte:

    Einerseits mehr Fahrspaß und Individualität im Alltag. Andererseits mobile Komplexitätsreduzierung. Es machte schlicht keinen Sinn, die Langweile im Alltag kompensieren zu wollen, in dem man sich immer mehr Hobby-Autos zulegt, die man dann doch so gut wie nie fahren kann.

    Also sprach vieles dafür, den emotionslosen Firmenwagen abzugeben und sich ein zeitgemäßes, zuverlässiges Auto zu suchen, das trotzdem ein *Haben will* auslöst. Sehr viele Verlockungen hält der Markt für Neuwagen und junge Gebrauchte da für mich ehrlicherweise nicht im Angebot.

    Seit dem Sommer wohne ich hauptsächlich in der Bretagne. Und dort sah man in der Lawine hochbeiniger moderner PSA-Produkte schon auch mal die eine oder andere Giulietta. Häufiger als in Deutschland auf jeden Fall. Und so schlich sich das Julchen nach mehr als einer Dekade zurück in meine Gedanken. Ich stellte fest, dass ihr Design und die ganze Marke Alfa Romeo seit damals nichts an Faszination für mich verloren haben. Und wenn auch viel darüber geschrieben wird, dass die Giulietta mittlerweile veraltet sei: Für mich ist sie perfekt. Denn seit 2010 wurde für moderne Autos nichts mehr dazu erfunden, das ich selbst haben will. Ich brauche das ganze Gelumps an Connectivity und Assistenzsystemen nicht. Ich brauche ein Auto, das ich noch selbst fahren kann und in dem ich mich lebendig fühle. Außerdem fand ich es eigentlich immer schon ganz clever, ausgereifte Auslaufmodelle zu kaufen.

    Tja, und dann dachte ich mir: Gar keine dumme Idee, so eine Giulietta statt eines Firmenwagens. Erst recht, wenn ich einen Alfa-Händler überzeugen kann, dafür den Jaguar in Zahlung zu nehmen.

    Konkret schwankte ich zwischen zwei Alternativen: Entweder eine neue (bzw. tageszugelassene) schwarze Giulietta Sprint Final Edition, die noch bei diversen Händlern erhältlich ist. Oder eine dreijährige Giulietta Super in Grigio Stromboli, die der Alfa-Händler im Nachbardorf meiner Eltern zu einem guten Preis anbot. Ein FCA-Geschäftsfahrzeug, 11.500km auf der Uhr, Erstzulassung im Dezember 2018, abgemeldet im Februar 2020. Also auf die Betriebszeit betrachtet ein Jahreswagen. Und ein Zeugnis dafür, wie schwer sich diese Autos verkaufen lassen... Jedenfalls: Ich hatte 2015 nochmal eine Giulietta probegefahren und hatte aus dieser Zeit in Erinnerung, dass mir der 1.4 TB mit 120 PS völlig ausreicht.

    Ich korrespondierte mit verschiedenen Händlern und musste schmunzeln: Wirklich viele freundliche und originelle Kontakte. Gerade bei den alteingesessenen Alfa-Traditionshäusern, die noch die Marke atmen. Ein vergleichbarer Spirit wie bei SAAB. Ungefähr die Hälfte winkte zwar dankend ab bei der Aussicht, einen XJ40 in Zahlung zu nehmen. Aber mehrere machten mir ein diskussionswürdiges Angebot.

    Schließlich merkte ich: Ich muss mich jetzt mal aus meinem französischen Atlantiknest aufraffen und nach Deutschland kommen, den Jaguar aus der Hamburger Garage holen und die Sache durchziehen.

    Anlaufpunkt: Der besagte Alfa-Händler bei meinen Eltern. Denn ich dachte mir: Man sollte mit der günstigsten Variante anfangen. Wenn man merkt, dass die einem alles bietet, was man braucht, und nichts entbehrt, was man sich wirklich wünscht, braucht man ja keine 6.000 EUR teurere Option zu prüfen.

    Hinzu kommt: Das Auto war mir einfach sympathisch. Wenn ich an (m)einen Alfa denke, sehe ich ihn eher vor der Mailänder Scala vorfahren als über die Rennstrecke fegen. Die Sprint Final Edition hat ja doch reichlich Carbon-Kriegsbemalung - gemessen daran, dass unter der Haube auch nur der 120-PS-Motor werkelt. Für mich ganz persönlich einen Ticken zu viel Mogelpackung.

    Der Verdacht bestätigte sich umgehend vor Ort. Ich lief ein paar Mal auf dem Hof des Händlers zwischen der Super und einer Vorführwagen-Sprint hin und her. Nach zehn Minuten war entschieden: Die Super passt besser zu meiner Vorstellung. Zumal sie als Modelljahr 2018 noch die Chromleiste am Fensterrahmen hat. Und die finde ich schon sehr elegant.

    Bei der Probefahrt wusste ich dann sofort wieder, warum ich 2011 kurz vor der Vertragsunterschrift stand. Tatsächlich fixte mich die Giulietta beim Fahren diesmal sogar noch mehr an. Der Motor kommt mit erstaunlich viel Druck aus dem Keller und klingt herrlich kernig. Der Wagen liegt satt auf der Straße, die Lenkung ist sportlich direkt, die Gänge flutschen fast so leichtgängig wie früher im BMW, die Sitzposition ist top. Bemerkenswert: Zumindest im sichtbaren und fühlbaren Bereich ist die Qualitätsanmutung im Innenraum viel besser, als ich sie in Erinnerung hatte. Kein Klappern, kein Knarzen, griffiges Lenkrad, schöne altmodische Rundinstrumente, ein echter Handbremshebel (Halleluja!), ein gut klingendes Soundsystem. Auch mein 77jähriger Herr Vater, den man eigentlich nur schwer aus seiner geliebten A-Klasse locken kann, war auf dem Beifahrersitz sehr angetan. Und: Das Auto hat von einer einzigen Delle in der hinteren Seitentür, die noch rausgedrückt wird, null Gebrauchsspuren. Kein Kratzer, keine Schramme, absolutes Neuwagenfeeling.

    Zurück beim Händler ging es dann in die Preisverhandlung. Ich gehöre nicht zu jenen, die beim Autokauf den letzten Euro rauspressen müssen. Leben und leben lassen. Diese Giulietta war bereits ein gutes Angebot, die Inzahlungnahme des Jaguar fair. Mein einziges Problem: Mit den verbauten 16-Zoll-Felgen könnte ich absolut nicht leben. Sie sind vom Design zwar gar nicht so übel. Aber sie sind mir zu klein. Glücklicherweise hatte ich gesichtet, dass die Vorführwagen-Giulietta einen makellosen Satz meiner favorisierten 17-Zoll-Turbinenfelgen auf Winterreifen hatte. Also tat ich dem sehr entspannten und freundlichen Verkäufer kund: Wir kommen ins Geschäft, aber nur mit diesen Felgen. Im ersten Anlauf entgegnete er: Ok, wir kommen ins Geschäft, wenn ich für diese Felgen 900 Euro bezahle. Im zweiten Anlauf und nach einem längeren Zwiegespräch zwischen Verkäufer und Disponent war das Ergebnis: Wir kommen auch ins Geschäft, wenn ich für diese Felgen 0 Euro bezahle. So wurde dann aus einem ziemlich guten sogar noch ein sehr gutes Geschäft. Deal closed. Am Dienstag hole ich sie mit frischem TÜV und Inspektion ab.

    So kommt es also, dass Julchen zehn Jahre später doch noch bei mir einzieht. Ich freue mich! Und finde es rücksichtsvoll, dass Alfa das Auto so lange weitergebaut hat, bis ich mich entscheiden konnte:-)

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