Die Autorevue war schon immer ein Meister der spitzen Feder. Hie und da gibt es auch negative Tests und Verrisse. Den Test des Dieselspider der neuen Ausgabe habe ich fassungslos gelesen, das kann ich Euch nicht vorenthalten
Also:
[COLOR='Red']DURCH DIE DIESELBRILLE BETRACHTET[/COLOR]
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Es sollte ein ausgewogener Artikel werden. Kritisches Für und Wider. Die perfekte Balance: Unbelehrbare, altromantische Alfisti hier, dialektische Dieselfahrer-Didaktik da. Man kann über alles reden. Wie geht es dir damit? Und danach die heilsame, homogene Verschmelzung zweier Welten: Alfa Spider mit energetisch aufgeladenem Dieselmotor, warum heute nicht?
Dann drückte ich den Startknopf.
Seither durchleide ich eine schwere Identitätskrise, wie ich sie schon längst hinter mir geglaubt hatte, dank einer an der Liebe zum Alfa Spider jahrzehntelang geschulten Leidensfähigkeit:
Wir sahen verkniffen über das Tupperware-Spoilerwerk der achtziger Jahre hinweg.
Wir weinten leise, als man uns die Borduhr wegnahm und durch Digitalramsch ersetzte.
Wir haben den Wandel von Heck- zu Frontantrieb durchgestanden.
(Wir haben ja avich das Golfdieselkabrio irgendwie verdaut und kauen am Eos 2,0 TDI.)
Wir haben den Sündenfall 156 JTD vor die Dieselzapfsäule gelenkt.
(Wir fanden auch den Mini Diesel ganz o.k. und haben Jaguarfahrer als heimliche Dieselfetischisten geoutet.)
Wir waren bereit, den JTDM im Alfa Brera hinzunehmen, und fanden inspirierte Worte in der Art, dass Audi mit einem Dieselmotor schließlich LeMans gewonnen hat.
[COLOR='Red']Aber irgendwann ist Schluss mit Leiden am Nageln und JETZT ist dieser Augenblick gekommen.Was sich in Zahlen, Daten und Fakten so annehmbar darstellt, geradezu spektakulär (das Drehmoment! Die Leistung!), das zerfällt beim ersten Knopfdruck in sämtliche Dieselpartikel.
Alfa Spider 2,4 )TDM 20V 200 CV, das riecht ja bereits nach langatmiger Entschuldigung für Dieselgerüttel beim Start und ein Motorengeräusch, das nicht nur laut, sondern auch unterschwellig in die Psyche dringt, bis man das eines Tages nicht mehr erträgt.[/COLOR]
Und darin mag ein Gutes für alle Art von geliebtem Autofahren liegen: Man weiß wieder, wo mansteht! Es ist auch im Zeitalter von Commuten und Tuten nicht egal, ob sich hier eine vernunftoptimierte Antriebseinheit ihrer Aufgabe entledigt oder ein feuriges Herz, glüht, jederzeit bereit, auf Gasstoß Leidenschaft zu entflammen.
Man mag uns großartige Dinge erzählen, von neuer Einspritz-Kalibrierung und besserer Verwirbelung, von verkleinertem Ventilschaft zwecks besserer Einströmung und einer eigenen Klappe gegen das Rütteln beim Abstellen plus lebenslangem Partikelfilter - [COLOR='red']solange der Motor all die drögen Merkmale eines Turbodiesels besitzt, ist mit uns nicht zu reden. Dieses hilflose Vollgasgeben ins Leere beim Anfahren, diese arschgetretene Hintennach-Beschleunigung, wenn der Turbo einsetzt, um uns dann gleich hektisch nach dem zweiten Gang fischen zu lassen - wir haben es so endgültig SATT![/COLOR]Bis Tempo hundertzehn, und hier spielen sich nun einmal neunundachtzig Prozent des regulären Auto-Alltags ab, ist der Dieselmotor das vorgeschobene Thema an diesem Spider. Was immer du auch tust - Diesel fährt mit. Man dankt und schüttelt sich.
[COLOR='red']Wo ist das Alfafahren geblieben? Das Hochreffen der Drehzahl, das böse Fräsen, die sprühende Lebensfreude? [/COLOR]Wozu sechs Gänge, wenn man einfach in der Fünften hockenbleibt bis Tempo fünfzig runter? Ob man den Fünfzylinder mit tausend Touren nudelt oder mit tausenddreihun-dert, ist ihm gleichmütig egal, doch sobald man die Zweitausender-Höhenlinie überschreitet, mahnt er schon bröselnd zum Hochschalten. Bei 4000 ist der Zenit erreicht, was dann noch käme, wäre nur weitere Quälerei. Das heißt, man ist doch eifrig am Schalten, aber mehr aus Pflicht denn aus Freude. 400 Nm bei 2000 Touren - als wollte man mit Betonröhren fechten.
Sobald man mit dem Motor im Unreinen ist, kommen Dinge hoch, über die man sonst hinweggesehen hätte - was gerade beim Thema Sitzposition schwer geht, denn es fehlt eine Höhenverstellung NACH UNTEN. Nichts ist unangenehmer, als in einem Cabriolet zu hoch zu sitzen wie der Hagestolz am Couchtisch. Cooles Ruhen in der Tiefe des Schwerpunkts ist ein wesentliches Element des Roadsterns.
Wer sich mit den Annehmlichkeiten des Diesellebens abfinden möchte und sich dem Rollen hingibt, muss allerdings feststellen, dass Fahrwerk und Lenkung nichts von Schärfe und Unmittelbarkeit verloren haben. Das bedeutet, dass die Lenkung hart angepackt werden muss, oder der Wagen läuft Fahrbahnunebenheiten nach.
Das klasse Fahrwerk animiert zum richtig lustvollen Fahren, aber das würde sich erst in unerlaubten Regionen auszahlen, also im angewandten Speed-Bereich von jenseits 130. Zwischen siebzig und hundertzehn steht der Motor allen räuberischen Ambitionen im Weg.
Ja, wir haben wenig verbraucht, wir konnten Musterverbräuche von 8,6 Litern vorweisen, was umso dramatischer ist, als der einzig wahre Spidermotor, der 3,2 V6 Q4, so horrende Werte liefert, dass man heute gar nicht mehr wagt, sie überhaupt an die Öffentlichkeit zu bringen. Der 2,2 Liter als Benzin-Alternative? 185 PS angesichts von 1,6 Tonnen Alfa Spider geben sich selbst die erschöpfte Antwort.
Der Alfa Spider, an einem konsequenten Ende seiner jahrzehntelangen Entwicklung angelangt, nötigt uns ein eindeutiges Urteil ab, man muss Stellung beziehen. Wir haben ihn durch die modernste gerade erhältliche Diesel-Brille betrachtet, das Modell Sister Yes mit Grilamid TR 90 LX Thermoplastic, doch es wurde nur umso deutlicher:
[COLOR='red']Hier schlägt ein fremdes Herz drin, es ist ein kaltes Blut.[/COLOR]
Wahnsinn, dieser Schlusssatz! Nochmal:
[COLOR='red']Hier schlägt ein fremdes Herz drin, es ist ein kaltes Blut.[/COLOR]
[COLOR='red']Hier schlägt ein fremdes Herz drin, es ist ein kaltes Blut.[/COLOR]
[COLOR='red']Hier schlägt ein fremdes Herz drin, es ist ein kaltes Blut.[/COLOR]
Ciaoliviero