Mittwoch, 2. März 2005
"Unser Rivale heißt BMW"
Alfa ist selbstbewusst
Von Peer Meinert, dpa
Karl-Heinz Kalbfell (55), Ex-BMW-Manager und seit Januar Chef von Alfa Romeo, sieht sich einer Herausforderung der besonderen Art gegenüber. "Von heute an nimmt sich Alfa Romeo Audi und BMW zum echten Rivalen", lässt sich Fiat-Präsident Luca Cordero di Montezemolo auf dem Genfer Autosalon vernehmen. Dabei posiert der smarte Italiener vor den beiden neuen Alfa-Modellen 159 und Brera auf dem Genfer Autosalon, zwei schicke, schnittige Sportwagen, besonders gern in "Ferrari-Rot" gesehen.
Trotzdem muten die flotten Sprüche für einen Autobauer in der Dauerkrise etwas seltsam an. Eher wie das Pfeifen im Walde - oder will Fiat vor allem möglichen Partnern Mut machen? Kalbfell, der 27 Jahre in Diensten von BMW stand, weiß um die Probleme: Alfa verkauft 170 000 Autos pro Jahr, macht aber keine Gewinne - der legendäre Ruf ist längst dahin. Auch Maserati, die Luxus-Sportmarke, für die Kalbfell seit neuestem ebenfalls verantwortlich ist, bringt lediglich 5600 Autos pro Jahr an den Mann und steckt ebenfalls schwer in den Miesen. Keine leichte Aufgabe für den Schwaben.
Dabei sind die Sorgen mit den schnittigen Sportmodellen noch die geringsten für Fiat: Die Stars des Genfer Salons sind die flotten, preisgünstigen Kleinwagen, der Neue von Peugeot-Citroen-Toyota etwa, für 8.500 Euro. Das ist der heiß umkämpfte Markt - und just der, auf dem Fiat eigentlich zu Hause ist. Und jetzt? Der neue Punto, das Brot-und-Butter-Modell aus Turin, kommt erst zum Jahresende raus.
"Der neue Markt schenkt uns nichts", sieht Fiat-Chef Sergio Marchionne die Sache realistischer. Schließlich sind die neuesten Zahlen alles andere als berauschend: Während es mit dem Fiat-Konzern aufwärts geht, fährt die Autosparte nach wie vor satte Verluste ein: Minus 840 Mio. Euro im vergangenen Jahr. Für dieses Jahr sei ein Minus von 300 Mio. Euro ins Auge gefasst, berichten italienische Medien. Erst für 2006 rechne man mit schwarzen Zahlen - die Sanierung geht langsamer voran als erwartet.
Atemberaubend ist bislang dagegen nur das Tempo, in dem Marchionne seine Leute feuert. Ex-Audi-Sanierer Herbert Demel musste die Autosparte abgeben, nach nur 15 Monaten. Martin Leach musste den Führungssitz bei Maserati räumen, nach nur neun Monaten. Marchionne ging die Sanierung nicht schnell genug voran. Zugleich feierte er einen Triumph der ganz besonderen Art, indem er 1,55 Milliarden Euro von General Motors für den Verzicht auf eine Verkaufsoption einstrich. "Ein ausgezeichneter Pokerspieler", schwärmt die römische Zeitung "La Repubblica".
Ein Pokerface kann Marchionne, nun auch Chef von Fiat-Auto, brauchen, wenn das nächste ganz große Problem auf dem langen Weg der Sanierung ansteht: Das Gespräch mit den Banken. Im Herbst läuft ein Drei-Milliarden-Euro-Kredit aus. Statt die Wandelanleihe zurückzuzahlen, denkt Fiat daran, den Banken Anteile anzubieten. "Aber wir haben den Kredit nicht gegeben, um Fiat-Aktionär zu werden", kontert ein Banker kühl.
Wirklich nett was da die deu. Presse wieder schreibt!!!