Joint "venture", wie hab ich mir das vorzustellen..

  • wie schön öfters dargestellt, bin ich bzgl. autoproduktion, großindustrie und warenwelt nicht so ganz der schlaue und hätte da mal ne erklärung nötig:

    wie habe ich mir das vorzustellen, ein sogenanntes "joint venture" in der automobilindustrie?

    werden jetzt demnächst die punto-plat(t)formen, also die corsa-chassis in bochum/rüsselsheim gepresst und geschweißt, dann in LKW´s über die autobahn nach süditalien gefahren, dort unter die karosse geschraubt um dann wieder nach nordeuropa verkauft zu werden? oder fertigt fiat in lizenz diese produkte an ort und stelle (was ja sinnvoll wäre) ?

    ebenso mit den motoren. wird ein 1,3er jtd täglich aus polen nach süditalien ans band geliefert (was ich ja den reinen wahnsinn fände) um dann in sizilien in einen ypsilon eingebaut zu werden der evtl. nach lettland verkauft wird? oder gibt es auch lokale produktionen, immer in der nähe der werke ?

    ich kann mir das nämlich nicht sonderlich wirtschaftlich, umweltfreundlich und zeit-unkritisch vorstellen. da bleibt mal ein lkw im zoll hängen und schon stehen in sizilien die bänder still, oder wie .....

    oder bin ich anscheins naiv und es gibt diese nimmer endenden warenströme (ich meine so´ne platform ist ja ziemlich groß) quer durch europa wirklich? von himbeer-youghourt weiss ich das ja, aber in der schwerindustrie?

    grazie. l.otti
    [dem lokalen handwerk verbunden und verpflichtet]

    produkte der fiatautomobile ag sind ein traum! darum findet ihr mich in zukunft hier: http://www.faltboot.de ab jetzt fahre ich ein handgearbeitetes deutsches sportcabrio allererster güte:

    > E65-3 des VEB Taucha-POUCH mit mittelmotor (ich) <

  • Tja, heutzutage lassen sich betriebswirtschaftliche Abläufe nicht mehr rational oder logisch erklären. :D

    Die moderne Betriebswirtschaft ist der Untergang der Gesellschaft.

    Gruß,
    JTD

  • Solche Joint Venture sind ja oft gerade in der extrem teuren Planungsphase anzutreffen. Die Produktion kann dann auch von jedem alleine vorgenommen werden.
    Oder aber man entwicklet gleich ein völlig identisches Auto (Ford Galaxy, VW Sharan) und läßt es vom selben Band rollen.

    Wie sieht das denn eigentlich bei den Euro-Vans aus? Kommen die alle von einem gemeinsamen Band?

  • Zitat von l.otti

    wie schön öfters dargestellt, bin ich bzgl. autoproduktion, großindustrie und warenwelt nicht so ganz der schlaue und hätte da mal ne erklärung nötig:

    wie habe ich mir das vorzustellen, ein sogenanntes "joint venture" in der automobilindustrie?


    Das ''joint venture" gibt es nicht. Ein J-V bedeutet lediglich, dass 2 Unternehmen beschlossen, (per J-V Vertrag) irgendetwas gemeinsam zu tun. Das kann alles moegliche sein, kann (muss aber nicht) finanzielle Beteiligungen bedeuten.

    Zitat von l.otti


    werden jetzt demnächst die punto-plat(t)formen, also die corsa-chassis in bochum/rüsselsheim gepresst und geschweißt, dann in LKW´s über die autobahn nach süditalien gefahren, dort unter die karosse geschraubt um dann wieder nach nordeuropa verkauft zu werden? oder fertigt fiat in lizenz diese produkte an ort und stelle (was ja sinnvoll wäre) ?


    Es ist alles vorstellbar, auch die dumme Variante. Wahrscheinlicher ist es, dass die Plattform gemeinsam entwickelt wurde (schliesslich sind R&D Kosten fuer ein Automobil gigantisch). Die J-V Partner nutzen diese Plattform nun unabhaengig voneinander, was heissen kann, dass sie aus dem gleichen Presswerk kommt, oder auch nicht.

    Zitat von l.otti

    ebenso mit den motoren. wird ein 1,3er jtd täglich aus polen nach süditalien ans band geliefert (was ich ja den reinen wahnsinn fände) um dann in sizilien in einen ypsilon eingebaut zu werden der evtl. nach lettland verkauft wird? oder gibt es auch lokale produktionen, immer in der nähe der werke ?


    Moeglich ist sowohl die Variante Transport als auch die lokale Produktion. Hier vermute ich allerdings, dass die Motoren in Polen zentral gebaut werden und von dort transportiert werden.

    Zitat von l.otti


    ich kann mir das nämlich nicht sonderlich wirtschaftlich, umweltfreundlich und zeit-unkritisch vorstellen. da bleibt mal ein lkw im zoll hängen und schon stehen in sizilien die bänder still, oder wie .....

    Yep, ist es auch nicht. Leider ist es aber heutzutage so, dass es ein 1-Urpsrungsprodukt nicht mehr gibt. Aus dem Grunde sind Disziplinen wie Logistik
    und 'supply chain management' erst in den letzten Jahren entstanden und
    werden immer wichtiger.
    Ich hab' die alte Daunenjacke schon oefter zitiert, hier nochmals:
    1992 haben wir in China Daunenjacken fertigen lassen. Alles, Stoffe, Futter, Daunendichtes Gewebe, Knoepfe etc. war lokal aus China.
    1999 haben wir (aus Quotagruenden) die Daunenjacken in Bangladesh fertigen lassen. Oberstoff war aus Korea, Futter aus Japan, Daunendichtes Gewebe war von DuPont (weiss nimmer wo's herkam), Reissverschluesse aus Finnland (!!),
    die Druckknoepfe aus Hong Kong, alle ''personalized" Accessories (mit dem Brandname) waren aus Italien. Die Daunen waren wegen der 'bird flu' aus USA.
    Die ganzen Komponenten wurden zusammengetragen und sodann nach Bangladesh verschifft, und dort zusammengenaeht. Aus Bangladesh kam ausser der Arbeit nix. Das ganze war schliesslich immer noch ca. 5 USD pro Jacke billiger als 1992.

    Zitat von l.otti


    oder bin ich anscheins naiv und es gibt diese nimmer endenden warenströme (ich meine so´ne platform ist ja ziemlich groß) quer durch europa wirklich? von himbeer-youghourt weiss ich das ja, aber in der schwerindustrie?

    grazie. l.otti
    [dem lokalen handwerk verbunden und verpflichtet]

    Nein, naiv bist Du nicht, (jtd aber schon). Es ist in der Tat ein Wahnsinn was da an Guetern kreuz und quer durch Europa gefuhrwerkt wird. Der Kunde moechte aber nicht zurueck in die 60er und 70er Jahre, als es fuer Obst, Gemuese, usw.
    usf. noch Saisonen gab. Im Februar gab's halt keine Erdbeeren, Ende.
    Tomaten wurden auch saisonal angeboten, in der kalten Jahreszeit gab's italienische und spanische, im Sommer gab's hollaendische und lokale deutsche.
    Nix da, das langt natuerlich nirgends hin, wir brauchen unbedingt 5 verschiedene Sorten im Laden.

    Genauso waere es wohl nicht durchsetzbar, ein Automobil oder wasweissichwassonstnoch um 50% hoehere Preise verkaufen zu wollen, weil man
    alles lokal fertigen moechte.
    Die Betriebswirtschaft hat lediglich einen Weg gefunden, die Kostenspirale noch halbwegs ertraeglich zu halten.

    Ciao,
    Joachim

    Musik der Woche: Unsquare Dance - David Brubeck

  • Zitat von l.otti

    da bleibt mal ein lkw im zoll hängen und schon stehen in sizilien die bänder still, oder wie .....

    Wenns hart auf hart kommt werden Teile schon mal per Hubschrauber ins Produktionswerk geflogen. Kein Witz!

    Alles in allem funktioniert "der Wahnsinn" aber ganz gut und ist unterm Strich eben günstiger für Firma und Kunde.

  • Zitat von l.otti

    werden jetzt demnächst die punto-plat(t)formen, also die corsa-chassis in bochum/rüsselsheim gepresst und geschweißt, dann in LKW´s über die autobahn nach süditalien gefahren, dort unter die karosse geschraubt um dann wieder nach nordeuropa verkauft zu werden? oder fertigt fiat in lizenz diese produkte an ort und stelle (was ja sinnvoll wäre) ?

    Teilweise ist das noch viel komplizierter.
    Es kann z.B. sein, dass die gemeinsame Plattform von einem Zulieferer in Brasilien hergestellt wird, oder im Iran. Die wird dann nach Bochum, Eisenach und Süditalien transportiert, per Schiff und LKW. Und für den Fall, dass ein LKW hängt, kann man die Teile ja puffern (zwischenlagern). Bei Bodengruppen kein Problem, spezifische Teile wie Sitze, Kabelbäume oder lackierte Stoßstangen, die just in time am Band sein müssen - die werden auch schon mal eingeflogen.

    Dort wird die Plattform übrigens nicht unter die Karosse geschraubt ;) Sie ist das erste Teil, was man braucht, um eine Karosse zu fertigen. Und zwar mit Punktschweißen.

    Und glaub bloß nicht, dass der Hersteller den Fertigungsort nach dem Endverbraucher aussucht. Selbst wenn die Corsas in zwei Werken produziert werden, ist es billiger, den mit Ledersitzen für einen Gelsenkirchener Kunden in Eisenach zu bauen, weil in Bochum nämlich gar keine Lederausführungen gebaut werden - oder Viertürer - oder mit Schiebedach - wie auch immer.

    Geld regiert die Wirtschaft...

    Aber by the way: die Kooperation zwischen Fiat und GM ist gestern gegen Zahlung von 2 Milliarden Dollar an Fiat zur Streichung der "Put-Option" gelöst worden. Zu deutsch: GM hat so viel Kohle bezahlt, damit sie den maroden Fiat-Laden nicht mehr kaufen müssen. Haben mit Opel ja auch genug Sorgen.
    Montezemolo hat sich jedenfalls gefreut. Jetzt kann er wieder 'n bißchen sanieren.
    Wie das jetzt mit den gemeinsamen Plattformen und Motoren geht, weiß ich auch nicht...

    Gruß !winker!

    Armin

    ________________________________________
    "Wenn ich einen Alfa sehe, ziehe ich meinen Hut"
    Henry Ford

  • Zitat von ArminBrandt

    GM hat so viel Kohle bezahlt, damit sie den maroden Fiat-Laden nicht mehr kaufen müssen. Haben mit Opel ja auch genug Sorgen.

    Ich weiss nicht, ob man das so einfach stehen lassen kann. Falls die Opel-Mitarbeiter recht haben und Opel für überhöhte Preise Komponenten aus USA kaufen musste, stellt sich natürlich (wie immer) die Frage, ob konzernintern Gewinne nach USA geschoben wurden um Steuern zu sparen und ein schönes negatives Umfeld zu schaffen, um in Europa problemlos Stellen abbauen zu können. Leider hört man da jetzt nichts mehr davon und quantifiziert hat die mögliche Höhe dieser Mehrkosten auch noch niemand. Würde mich echt mal brennend interessieren.

    Off topic: Bei VW ist ja auch schon wieder bezeichnend, dass im letzten Quartal, also mitten in den Einsparungsgesprächen, ein Verlust ausgewiesen wurde und das aktuelle Quartal plötzlich wieder "überraschend" positiv ausfiel. Als Leiter Rechnungswesen kotzt mich das wirklich an, wie hier bewusst die Mitarbeiter und die Öffentlichkeit verarscht werden und Gewinne (bei VW zeitlich, bei GM örtlich) verschoben werden, wie es gerade beliebt. Ein hoch auf den Kapitalismus...

  • Zitat von Joachim

    ... Der Kunde moechte aber nicht zurueck in die 60er und 70er Jahre, als es fuer Obst, Gemuese, usw. usf. noch Saisonen gab. Im Februar gab's halt keine Erdbeeren, Ende. ...

    Fände ich gar nicht schlimm.

    Zitat von CloverLeaf

    ... Alles in allem funktioniert "der Wahnsinn" aber ganz gut und ist unterm Strich eben günstiger für Firma und Kunde.

    Mittelfristig vielleicht. Langfristig und wirklich unterm letzten Strich glaube ich nicht, das es günstiger/besser für uns ist!

    Gruß

    Felix

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