Der lange Leidensweg des ehemaligen Alfisti Dirk U.
Im Oktober 2001 war es nun endlich so weit; mein neuer Alfa 147 JTD stand vor mir und ließ mein Herz höher schlagen.
Allen Unkerufen meiner Freunde zum trotz habe ich mir doch einen Alfa für den Italiener in mir gekauft. Vergessen die gut gemeinten Hinweise auf die schlechte Qualität und Zuverlässigkeit. „Function follows Design“ habe ich mir gedacht und außerdem: welcher Hersteller kann sich bei dem heutigen Konkurrenzkampf noch erlauben schlechte Autos zu bauen?
Das was Ferrari in der Formel 1 kann, wird doch wohl auf ein Großserienfahrzeug übertragbar sein – Zuverlässigkeit.
Meine Liebe zu meinem italienischen Weggefährten wurde zum ersten Mal bei Kilometerstand 22.200 am 5.3.2002 jäh erschüttert.
Auf der A3 sahen sich plötzlich alle mir folgenden Verkehrsteilnehmer in einen James-Bond-Film versetzt als sich der Turbolader mit einer fast undurchdringlichen Rauchwolke verabschiedete.
ADAC angerufen, in die nächste Alfa-Werkstatt geschleppt, Leihwagen bekommen – alles Paletti habe ich gedacht; war wohl nur eine kleine Schwächephase meines italienischen Freundes.
6.6.2003 Hagel in Usingen. Fast alle anderen Autos trugen keine Blessuren von sich, nur mein dünnblechiger Italiener machte einen sehr zerknittertes Gesicht.
Na gut – weniger Blech bedeutet weniger Gewicht und damit gut für den Benzinverbrauch und die Agilität. Ich habe immer noch die Gabe mich selbst glücklich zu reden.
Ab Ende Juli 2003 zeigte mir die Anzeige immer häufiger bei Vollast „Fehler im Motordiagnosesystem“ an. Dies war verbunden mit einem starken Leistungsabfall. Nachdem man die Kupplung getreten hat funktionierte die Geschichte wieder.
Also ab zu meinen Freunden in der Alfa-Werkstatt, Examiner drangehängt.
Diagnose: Kupplungssensor hat einen Schuss und zeigt dem Motormanagementsystem an, dass ich auf der einen Seite voll auf dem Gaspedal stehe und auf der anderen Seite die Kupplung trete. Da denkt sich mein Freund natürlich „so nicht“ und regelt die Motorleistung ab.
Kupplungssensor ausgetauscht, Fehler aber noch sporadisch da. Also wieder in die Werkstatt, Turbolader zum 2. Mal ausgetauscht – Fehler erledigt. (KM 75.400)
Außer Zeit und Nerven hat mich das ja nichts gekostet habe ich mir gedacht und habe bei meinen allwissenden Freunden gute Mine zu bösem Spiel gemacht und die Marke Alfa weiterhin vehement verteidigt. Hat wohl ein Mitarbeiter am Band einen schlechten Tag gehabt; vielleicht Stress mit der Frau – kennt man ja aus eigener Erfahrung.
Was mich schon immer genervt hat, war das mein ConnectNav+ bei jedem Start des Autos alle CD’s neu initialisiert hat. Also am 10.9.2003 ab in die Werkstatt, ein neues Firmwarerelease aufspielen lassen, dass das Problem beseitigen soll. Wird wohl eine Angelegenheit von ein paar Minuten werden – denkste.
Obwohl Bill Gates hier keine Finger im Spiel hatte stürzte das komplette System ab und war nicht mehr zum Leben zu erwecken. Komplettes Navigationssystem ausgebaut und zu Alfa geschickt, zwei Wochen lang selbst Entertainer gespielt und nach Einbau des reparierten Systems war alles wieder in Butter.
So jetzt hat meine italienische Diva außer zu den normalen Inspektionen ein ¾-Jahr keine Werkstatt von innen mehr gesehen.
Kilometerstand 113.821 – der Obergau. Wieder die A3 kurz vor Abfahrt Montabaur.
Blaugraue Rauchwolke, Ölverlust – vielleicht ist es mal wieder der Turbolader. Nur der extrem große Ölverlust störte mich ein wenig.
Gleiches Prozedere – ADAC angerufen, 2 ½ Stunden auf den Abtransport gewartet und nach langer Diskussion mit der ADAC-Zentrale, ob die Fahrt zum nächstgelegenen Alfa-Händler noch innerhalb der vereinbarten Tarifzone ist, kaputte Machina dorthin verfrachtet.
Keine Kompression auf dem ersten Zylinder – so die erste Diagnose.
Um den Schaden genauer feststellen zu können müsse man den Zylinderkopf abschrauben. Erst dann könne man einen Kulanzantrag an Alfa stellen, da das Auto mittlerweile außerhalb der Garantie sei. O.k. dachte ich mir – shit happens aber vielleicht ist man bei Alfa aufgrund meiner leidlichen Vorgeschichte einsichtig und beteiligt sich ein wenig an den Kosten.
Die endgültige Diagnose: Pleuel abgerissen, Motorblock durchschlagen – d.h. Austauschmotor mit Einbau für ca. 6.500,-- € !!!!!!
Zufälligerweise war ein Außendienstmitarbeiter von Alfa, der Kulanzfälle begutachtet, vor Ort beim Händler.
Ergebnis: Kulanz abgelehnt !!!!!!!!!!!!!!
Ohne auch nur mit mir Kontakt aufzunehmen und sich näher mit dem Fall zu beschäftigen werden offensichtlich seitens Alfa Kulanzanträge abgewiegelt.
Was mich hierbei stört ist die Arroganz und Überheblichkeit, die man Kunden gegenüber an den Tag legt.
Was soll ich als Kunde noch mehr machen als zu jeder vorgeschriebenen Inspektion zu fahren?
Das Pleuel ist ganz offensichtlich auf Grund eines Materialfehlers abgebrochen. Weder die Kolbenringe noch der Kolben selbst zeigen Schleifspuren, die auf einen Ölfilmabriss hindeuten würden. Also ganz klar Materialschwäche.
Der Kunde wird im Regen stehen gelassen und schlimmer noch, es wird versucht auch noch mit diesem gebeutelten Kunden Geld zu machen. Für den Austauschmotor berechnet Alfa alleine 4.200,-- €; ein vergleichbarer ATM ist auf dem freien Markt für 2.400,-- € erhältlich.
Diese Preispolitik können mir bestimmt nur die gleichen Strategen erklären, die auch die Marschroute zur Abwiegelung von Kulanzanträgen festgelegt haben.
Leider hatte ich vor dem Motorschaden bereits einen Alfa GT JTD bestellt. Trotz vieler versuche den Kaufvertrag rückgängig zu machen besteht Alfa auf Vertragserfüllung.
Die Firmenphilosophie scheint wohl „Fire and forget“ bei Alfa zu sein. Eine sehr kurzfristige Denkweise wie ich finde. Für die nächste Kaufentscheidung (und das muss ich alle 3 Jahre machen) wird die Marke Alfa keine Rolle mehr spielen.