Hi,
stelle mir immer mal wieder die Frage, auf einen (gebrauchten) 166 umzusteigen. Wer hat sowohl 164- als auch 166-Erfahrung und verrät mir, ob das wirklich ein Quantensprung ist.
Hintergrund ist folgender (darf ich etwas ausholen? Gut): Als Zweitwagen im Sommer und als Erstwagen im Winter fahre ich einen 164 Q4. Dieser ist wirklich in einem Superzustand (nach einigen 155/164 Q4-Rüben kann ich das beurteilen) *klopf auf Holz*: Absolut Scheckheft gepflegt, schlappe 113 TKM gelaufen, Zahnriemen vor 15TKM gewechselt, auch die Nicklichkeiten wie ab und an zickender Lenkwinkelsensor behoben. Wenn jetzt noch die Spur eingestellt wird, würde ich behaupten, es gibt wahrscheinlich wenig bessere 164 Q4 (auch die Werkstatt bestätigt das).
Also eigentlich bin ich wirklich ausgesprochen zufrieden mit dem Auto.
Allerdings mehren sich in letzter Zeit - für mich total unverständlich - Kommentare aus meinem persönlichen Umfeld, die den Q4 irgendwie...wie soll ich sagen... herabwürdigen. Auch (spaßig gemeinte) Kommentierungen aus dem geschäftlichen Umfeld nehmen signifikant zu ("Wenn ich gewußt hätte, dass Du so eine Karre fährst, hättest Du den Auftrag nicht bekommen").
Nun nehme ich mir im Leben grundsätzlich die Freiheit raus, mein Hauptaugenmerk nicht darauf zu legen, die Erwartungshaltung anderer zu erfüllen. Also muß der Q4 ja mir Gefallen und nicht meiner Freundin ("So ein Lancia Lybra Kombi ist echt schicker!"), meinen Freunden ("Toll, dass jemand immer noch so treu die 80er hochhält!") oder meinem Schwiegervater in spe ("Wenn Ihr mal bauen wollt, verkaufst Du einfach Deinen wertvollen Oldtimer. Haha").
Nun ist es ja so, dass sich über Geschmack trefflich streiten läßt. Ehrlich, mir gefällt der 166 gut (vor dem anbiedernden Facelift) - aber ich ertappe mich zuletzt eher dabei, die Augen nach einem 75 QV als nach einem 166 aufzuhalten. Wobei man bei klarem Verstand natürlich sagen muß: Die Zeit hatte ich (75 3,0 V6 in Brohl-Konfiguration) und sie wird realistisch betrachtet auch nicht wiederkommen. Denn im Gegensatz zu Uni-Zeiten hat man nicht mehr die Möglichkeit, bis mittags zu pennen und dann die Ersatzteilversorgung für den gerissenen Krümmer zu organisieren (Wäre ich damals doch gleich auf einen Fächerkrümmer umgestiegen...). Also muß ein Auto schon ein Mindestmaß an Zuverlässigkeit und auch einen Schuß Seriösität im Geschäftalltag haben. Mit einem vergammelten Sud Sprint würde selbst ich mich beim Vorfahren nicht mehr so pudelwohl fühlen.
Meine Frage: Gehört man designmäßig zu den Ewiggestrigen, wenn man den 164 Q4 absolut zeitlos findet und sich auch einen 75er ganz gut in der Pinakothek der Moderne vorstellen könnte (jetzt nicht als 1,6er hochbeinig in weiß)? Ich meine, ich freue mich auch auf die neue Raritäten-Box der Simple Minds, die demnächst rauskommt - weiß aber, dass ich damit so ziemlich alleine bin.
Was ich damit sagen will: Man merkt ja manchmal nicht, dass man einen Geschmack entwickelt hat (beibehalten hat?), der in der öffentlichen Wahrnehmung als "eher speziell" - um nicht zu sagen "skuril" - durchgeht.
Eins ist klar: Wenn es den Q4 nicht gegeben hätte, würde ich mir mit Sicherheit jetzt einen 166 zulegen. Aber so sage ich mir immer: Ich kriege mit einem 166 den gleichen Motor und wohl ähnliche Fahrleistungen, die sicherlich gefälligere Karosserie und das modernere Auto, dafür fehlt mir im Winter der Allrad. Und dafür soll ich 5.000 bis 10.000 € mehr ausgeben (Differenz aus Verkaufspreis Q4 und Anschaffungspreis 166 3.0)?
Kann mir denn jemand, der sowohl den 166 als auch den 164 Q4 gefahren ist, verraten ob ich mit der obigen Gleichung richtig liege? Oder hat der 166 verborgene Qualitäten, die sich mir noch nicht erschlossen haben? Wie sportlich läßt er sich bewegen oder ist er nur ein Autobahn-Gleiter (gabs den auch mit elektr. Fahrwerk)? Ich meine, auch der Q4 ist ja nicht unbedingt eine Rakete, weil er ja nicht gerade ein Leichtgewicht ist. Und wie groß ist der Unterschied in Sachen Ergonomie, allgemeiner Verarbeitungsqualität und Sicherheit? Neuralgische Schwachpunkte dürfte er ja im Gegensatz zu dem Q4 deutlich weniger haben.
Mal angenommen, der Aufpreis zum 166 würde eher eine untergeordnete Rolle spielen, wie würdet Ihr Euch entscheiden? Dürfte doch einige 166-Fahrer geben, die vorher einen 164 hatten.
Grüße
J.V.