Bertone GT 1300 Vergaser einstellen - Problem

  • Hallo zusammen.

    Ich habe folgende Situation:

    Fahrzeug gekauft, 1300er Motor lief Ok in allen Drehzahlbereichen, allerdings nicht perfekt: unruhiger Leerlauf, schlechtes Anspringen. Aber gutes Ansprechen auf Gas und rasches Zurückkehren auf Leerlaufdrehzahl.


    Mein Test mit Synchrometer zeigte, dass der rechte Vergaser (der vordere) sehr viel weniger Luft ansog als der linke. Das habe ich dann per Schraube am Verbindungshebel korrigiert (Leerlaufdrehzahl ging wie erwartet hoch, habe ich wieder runtergeregelt). Dann habe ich die vier Leerlaufgemischeinstellschrauben neu feinjustiert. Ergebnis: stabiler Leerlauf, gutes Anspringen auch kalt.

    Aber: nach Gasstoß kehrt der Motor nicht oder nur sehr langsam zur Leerlaufdrehzahl zurück. Ein zu mageres Gemisch im rechten/vorderen Vergaser habe ich durch Testen als Grund ausschließen können. Nebenluft hat er vorher ja auch nicht gezogen, denke oder hoffe ich.

    Ich habe dann auch noch mit Temperaturmessgerät ganz oben am Krümmer jeweils die Temperaturen der 4 Zylinder grob kontrolliert und testweise die Abweichungen ausgeglichen mit den Gemischeinstellschrauben. Motor lief ruhig(er), Problem blieb.

    Erst wenn ich den Ausgangszustand wieder herstelle (rechter/vorderer Vergaser zieht sehr viel weniger Luft), kehrt er wieder halbwegs zügig zur Leerlaufdrehzahl zurück. Dann läuft lt. Temperaturmessgerät der 1. Zylinder etwas und der 2. Zylinder deutlich Kühler als Zylinder 3/4 am linken/zweiten Vergaser.

    Was mache ich als Newbee/Laie (oder Depp) falsch?

    Lieben Dank für Eure Hilfe 🙏

    Gruß,

    Lars

  • Hallo Lars,
    wenn Du die Vergaser per Unterdruckuhren synchronisieren willst, dann solltest Du nur an den Zylindern 2 und 3 messen, nicht an 1 und 4.
    Beim Zylinder Nr. 1 wird die Messung durch den Anschluss des kleinen Schlauchs von der Kurbelgehäuseentlüftung her verfälscht. Beim Zylinder Nr. 4 wird sie vom Anschluss des Bremskraftverstärkers verfälscht.

    Ich empfehle aber zum Synchronisieren immer die "Zündkerzenstecker-Abzieh-Methode". Ich habe vor vielen Jahren einmal für das Forum hier eine Anleitung dafür und zum Einstellen der Leerlaufregulierschrauben geschrieben. Ich hoffe, die ist hier noch irgendwo zu finden?
    Und es gab hier im Forum auch schon Rückmeldungen die besagten, dass der Motor einen ruhigeren Leerlauf hatte wenn er mit dieser Methode synchronisiert worden war, als wenn er mit Unterdruckuhren synchronisiert worden war.

    Wenn der Motor nicht, oder nur sehr langsam, zur Leerlaufdrehzahl zurückkehrt, ist dass ein Zeichen dafür, dass die Drosselklappen mindestens eines Vergaser zu weit offen sind. Durch die zu weit offenen Drosselklappen bekommt das Hauptdüsensystem die Möglichkeit, den Leerlauf zu beeinflussen, was nicht sein sollte. Bei echter Leerlaufdrehzahl arbeitet das Hauptdüsensystem so gut wie noch gar nicht. Wenn man dann einen Gasstoß gibt und die Drehzahl nach oben geht, wird auch das Hauptdüsensystem wirksam. Wenn jetzt bei der höheren Drehzahl die Drosselklappen im Leerlauf zu weit offen sind, bleibt das Hauptdüsensystem wirksam und liefert zusätzlich zu den Leerlaufdüsen ein Gemisch. Dieses führt dann dazu, dass der Motor auf der hohen Drehzahl "hängen bleibt". Bei zu weit offenen Drosselklappen gibt es bei höherer Drehzahl also ein zusätzliches Gemisch, so dass der Motor dadurch auf dieser höheren Drehzahl bleibt oder nur langsam von ihr runterkommt.

    Viele Grüße,
    Peter

  • guckst du:

    Steffen
    21. Mai 2002 um 00:28

    post nr 43...

  • Hallo zusammen. Ich habe die Vergaser nun erfolgreich synchronisiert mit genauem Blick durch die Übergangsbohrungen. Das Ergebnis wurde durch den Synchrotester an Zyl 2 und 3 auch bestätigt ( die Zündkabelabziehmethode werde ich irgendwann auch noch mal testen zum Finetuning).

    Problem ist, dass ich mit fast geschlossener Drosselklappe keinen Leerlauf ohne Absterben des Motors hinbekomme. Erst wenn die Leerlaufeinstellschraube soweit reingedreht ist, dass der Motor eben nur noch sehr langsam zur Leerlaufdrehlzahl zurück dreht, läuft er ohne Auszugehen. Das Einregeln der Leerlaufgemischdüsen in dem Zustand hat kaum Wirkung und funktioniert nicht.


    Könnte also wirklich am Zündverteiler liegen, oder? Mich wundert nur, dass er vor meiner Synchronisierung irgendwie halbwegs sauber lief 🤷


    Danke Euch und Grüße,

    Lars

  • Hallo Lars,

    hier liegt die Vermutung sehr nahe, dass die Leerlaufdüsen und/oder die dazugehörigen Kanäle nicht ganz frei sind. Wenn der Motor nicht auf die Leerlaufgemischschrauben reagiert, dann ist das ein ziemlich eindeutiges Zeichen. Auch Falschluft könnte noch eine Ursache sein. Hast Du das schon überprüft?

    Viele Grüße,
    Peter

  • Hallo Lars,

    Ich würde auch die Prüfung des Zündkerzenbildes nicht ausser acht lassen. Die Einstellung des Leerlaufgemischs hat auch massgeblichen Einfluss auf den Teillastbereich. D.h. nach einer Veränderung des Leerlaufgemischs und anschließender Überlandfahrt lässt sich anhand des Zündkerzenbildes gut sehen, wie die einzelnen Zylinder eingestellt sind. Isolator rehbraun = optimal, schwarz = zu fett, weiss = zu mager. Ich selbst habe mit der Colortune Testzündkerze gute Erfahrungen gemacht. Über das Schauglas sieht man direkt die Farbänderung der Verbrennung beim Drehen an der Einstellschraube. Hat bei mir zu sauberen Leerlauf und Kerzenbild geführt. Eine 1/8 bis 1/4 Umdrehung macht bei den Webern schon viel aus.

    Was mir noch einfällt: Einfluss des Startersystems. Braucht man eigentlich nicht beim Weber. Aber falls benutzt und die Kolben stellen nicht ganz zurück - könnte er damit generell zuviel Sprit bekommen - dann sind die Leerlaufgemischschrauben auch eher wirkungslos. Auch das sollte über das Kerzenbild deutlich sichtbar sein.


    Viele Grüße

    Matthias

  • Hallo Matthias,

    bist Du Dir da sicher wenn Du schreibst "Die Einstellung des Leerlaufgemischs hat auch massgeblichen Einfluss auf den Teillastbereich"?
    Meines Wissens erfolgt dieser Einfluss über die Übergangsbohrungen, die das Gemisch hinzufügen, welches die Leerlaufdüsen herstellen, wobei dieses Gemisch für die Übergangsbohrungen vor den Leerlaufgemischregulierschrauben abgezweigt wird. Wenn das tatsächlich so ist (was ich glaube), dann haben die Leerlaufgemischregulierschrauben kaum messbaren Einfluss auf das Gemisch im Übergangsbereich.
    Für die Zusammensetzung des Leerlaufgemisch an sich sind die Leerlaufdüsen zuständig, während die Gemischregulierschrauben nur die Menge des Leerlaufgemischs steuern, welches bei fast geschlossenen Drosselklappen für den Leerlauf benötigt wird.

    Viele Grüße,
    Peter

  • Hallo Peter, ja du hast recht, aber: Wenn du vom Gas gehst und schaltest, werden die Drosselklappen kurzzeitig geschlossen (Sekunden-Bruchteile) und wenn du nicht sofort vollgas gibst, (es muß sich jetzt erst wieder durch Unterdruck der Leerlaufbereich aktivierren, dann werden die Übergangsbohrungen frei gegeben, die Beschleunigerpumpe akiviert-spritzt ein) läuft der Motor im Leerlaufbereich, und wenn der nicht stimmt dann stimmt auch der Übergang nicht - es muß erst der Unterdruck vom Leerlaufsystem aufgebaut werden durch die Freigabe der Übergangsbohrungen.

    Auch wenn du nicht sofort auf vollgas "springst" brauchst den Übergang" vom Leerlaufdüsenbereich in den Bereich der Übergangsborhungen + das einspritzen der Beschleunigerpumpendüsen, ... wenn nur das geringste nicht paßt, dreht der nicht gleichmäßig vom Leerlauf - bis zur max.Drehzahl hoch ohne auszusetzen, rucken, verzögern, ...

  • Hallo Peter, Hallo Friedrich,

    ihr habt natürlich beide recht mit Haupteinfluss der Leerlaufdüse auf den Teillastbereich und dem Einfluss der Leerlaufgemischschraube auf den unteren Übergangsbereich. Wie von mir beschrieben, hat eine Veränderung der Einstellung der Leerlaufgemischschraube auch ein verändertes Kerzenbild zur Folge. Das kann ich zumindest feststellen. Und das Kerzenbild ist ja nicht das alleinige Resultat nur aus dem Verbrennungsverhalten im Leerlauf? Ich hatte auch diese „Verschlucken“ bei Beschleunigung aus niederer Drehzahl. Das war nach optimierter Einstellung des Leerlaufgemischs dann nahezu weg.

    Viele Grüße

    Matthias

  • Hallo Peter, Hallo Friedrich,

    ihr habt natürlich beide recht mit Haupteinfluss der Leerlaufdüse auf den Teillastbereich und dem Einfluss der Leerlaufgemischschraube auf den unteren Übergangsbereich. Wie von mir beschrieben, hat eine Veränderung der Einstellung der Leerlaufgemischschraube auch ein verändertes Kerzenbild zur Folge. Das kann ich zumindest feststellen. Und das Kerzenbild ist ja nicht das alleinige Resultat nur aus dem Verbrennungsverhalten im Leerlauf? Ich hatte auch diese „Verschlucken“ bei Beschleunigung aus niederer Drehzahl. Das war nach optimierter Einstellung des Leerlaufgemischs dann nahezu weg.

    Viele Grüße

    Matthias

    Hallo, ja bei nahezu - entweder läst er sich noch feiner einstellen, oder es stimmt die Leerlaufdüse nicht, oder stimmt die Pumpendüse nicht? kann aber auch sein daß das Pumpenventil wenn mit Rücklaufbohrung, die Kugel "hängt" und zu viel zurück läuft, ... da gibt es mehrere Möglichkeiten.

    Gut eingestellt ist er erst wenn er wenn nur er, gleichmäßig vom Leerlauf - bis zur max.Drehzahl hoch dreht ohne auszusetzen, rucken, verzögern, ...

  • Hallo zusammen.

    Erstmal danke für Euren guten Tipps und vielen Hinweise. Hier nun mein überfälliges Update:

    Das „Rätsel“ ist gelöst. Ich/wir hatten keine Chance: mindestens der vordere Vergaser hat Falschluft gezogen. Ursache sind undichte Vergaserflansche aus Alu statt Gummi. Wird gerade repariert… danach kann‘s weiter gehen.

    Die aus Gummi in guter Qualität waren übrigens sehr schwer zu finden. Zuletzt waren Repro-/Ersatzteile bei guten Händlern (bei einigen auch nicht, dort eher sogar rabattiert) auf Lieferstopp wg. Qualitätsmängeln. Zudem habe ich noch eine gebrauchte Vergaserstütze mit neuem "Gummilager" besorgt, die wg. der Aluflansche gar nicht mehr verbaut war.

    Gruß, Lars

    4 Mal editiert, zuletzt von LarsG (27. Mai 2026 um 11:33)

  • ...wieso waren /wurden die Aluflansche undicht ? Wenn überhaupt , dann hättest Du einfach nur die O Ringe welche zwischen Vergaser und Aluflansch sitzen erneuern müssen.

    Ich hoffe Du hast wirklich GUTE und vor allem auch Haltbare Gummiflansche bekommen. Ich hatte schon welche "erwischt " die waren nach 30 !!Kilometern in Auflösung - Kein Witz .


    Bezüglich der Vergaser Stütze...es gibt verschiedene.. je nach Motor ! Der 1300 z.B hat die kürzeste Stütze,.. wenn Du die falsch einbaust

    "himmelst" Du die Gummi Flansche

  • Danke Dir für die Tips. Ja, wir haben gute Flanschgummis gefunden und natürlich eine 1300er Vergaserstütze genommen.
    Der Experte aus Bielefeld mit dem ich arbeite (fährt heute noch mit der Giulia Rennen), ist gar kein Fan von den Aluflanschen und hat viele gute, alte Teile auf Lager.

    Den Bertone werde ich wohl ab Donnerstag wieder fahren können. Dann gibt es ein Update.


    Gruß, Lars

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