Vielleicht haben ja andere auch solche Erlebnisse... Ich könnte schon bestimmt 10 solcher Stories aus den letzten 2 Jahren schreiben. Einige habe ich an anderer Stelle schon ausgebreitet.
Gestern einen 75er besichtigt. Natürlich wieder mal ein Top-Auto, wie immer rostfrei, quasi das letzte lebende Exemplar in freier Wildbahn. Nach ganz kurzem Hinschauen war der Hecktitscher nicht zu leugnen, Kofferraumboden war aufgebeult, was immerhin dazu führte, dass sich das dort befindliche Wasser nicht mehr flächig verteilen und Schaden anrichten konnte, sondern sich in bestimmten Bereichen konzentrierte.
Nachdem mir der Besitzer (übrigens ein richtig netter Typ, nach 10 Sekunden hatte ich ein Bier in der Hand) nicht unbedingt argumentativ folgen konnte, dass diese braunen Flecken im Bereich des hinteren Radlaufs im Türeinstieg eine kapitale Durchrostung darstellen und ich gerade ansetzte, ihm zu beweisen, dass ich mit einem nackten Zeigefinger durch gesundes Blech bohren könne, ertönte ein spitzer Aufschrei, der von einem deutlichen Lernzuwachs in sehr kurzer Zeit im Hinblick auf die Beurteilungsfähigkeiten von Blechqualitität zeugte.
Bevor ich danach fragen konnte, wies er auf nachlackierte, ok, sagen wir nachgeschmierte, Bereiche unterhalb des hinteren Kennzeichens hin. Ich hätte sie auf den "leichten Parkrempler beim Zurücksetzen" geschoben. Nein, man lernt ja dazu, im Kofferraum sind zwei große Bummbummboxen, und die vibrieren so stark, dass der Kennzeichenhalter am Blech scheuerte, bis es rostete. Ahja. !augenmach!
Ich bat ihn nach Öffnen des Motorraums danach, bitte mal 2 Liter Öl nachzugießen, dann könne man den Motor auch mal laufen lassen. Dieser Bitte kam er aus wohl nicht ganz uneigennützigen Motiven äußerst schnell nach. Seine zu Beginn der Besichtigung noch vorhandene Selbstzufriedenheit über sein automobiles Schmuckstück wich erheblichen Selbstzweifeln, als ich begann, Matheaufgaben mit ihm zu üben. "Wie viele km bist Du mit der Karre gefahren? Wie viele Liter Öl hast Du in der Zeit nachgefüllt? Addiere die 2,5 Liter von jetzt und interpretiere das Ergebnis."
Ich erklärt ihm dann, dass diese klackernden Geräusche aus dem Bereich des Zylinderkopfes und der anhaltende bläuliche Rauch aus dem hinteren Ende der Abgasanlage durchaus in einem ursächlichen Zusammenhang mit dem leicht erhöhten Ölverbrauch stehen könnten.
Wir schauten uns noch die übliche Stelle an der äußeren Motorstehwand an der Querlenkerbefestigung an, wo er dann erstaunlich gut war.
Erwähnenswert sind noch die ausgehängte Handbremse, das durchfallende Kupplungspedal und die gerissene hintere Hardyscheibe.
Wie gesagt, Autoverkäufer sind auch nur Menschen.