Türscharniere überholen (Bertone)

  • Hallo Gemeinde,

    ich habe mir diese Überholsätze für die Türscharniere besorgt, die jeweils aus dem Bolzen und zwei Hülsen bestehen. Bevor ich dem Auto jetzt wieder die Türen abnehme, wollte ich erstmal abchecken, was da auf mich zukommt, d.h. ob sich das an einem Abend erledigen läßt oder man das Auto erstmal ohne Türen hinstellen muss.

    Ich vermute folgende Arbeitsschritte:

    - Tür abnehmen
    - Scharnier aus der Tür ausbauen
    - mit einem Durchschlag Bolzen herausholen; dazu die Preisfrage: von der Ober- oder der Unterseite aus??
    - nächste Preisfrage: Sind da ab Werk auch diese Hülsen drin? Muss man diese bzw. das Scharnier für die neuen Hülsen ausbohren?
    - neue Hülsen einpressen; Preisfrage: Gehören die Krempen an den Hülsen an die Außen (oben, unten)- oder die Innenseite des Scharniers?
    - neue Bolzen einschieben und die letzten 5 mm mit einem Durchschlag einschlagen, damit sich das gerillte Bolzenende fixiert; Preisfrage: Ist das Bolzenende mit den Rillen oben oder unten?
    - Scharniere und Tür wieder einbauen.

    Hat jemand das schon mal gemacht und kann mir die Fragen beantworten bzw. sagen, ob diese Arbeitsschritte so richtig sind? Und mit welchen Überraschungen darf man rechnen ...?

    Vielen Dank schonmal!

    Jörg

  • Hallo Jörg,

    ich habe die Scharniere bei meinem Berti vor kurzem überholt.
    Alte Bolzen ausschlagen funktioniert nicht. Du verklopfst das ganze Scharnier, ich hatte bedenken dass das Scharnier bricht.
    Ich habe dann die Hülsen, welche in meinem Berti Serie 2 original drin waren, und den Bolzen an beiden schmalen Spalten des Scharniers mit einer schmalen Eisensäge durchgesägt. Damit hatte ich die beiden Scharnierhälften getrennt.
    Die Messinghülsen der inneren Scharnierhälften sind leicht mit einem Durchschlag auszutreiben. Die restlichen Bolzenstücke der äußeren Scharnierhälfte habe ich im Schraubstock mit einer 8 mm Schraube, als Gegenhalter eine, bzw. zwei 10 mm Muttern und 10 mm Nuss, ausgepresst. Die Kerben des Bolzens sind oben, also immer entsprechend dagegen pressen.
    Die neuen Hülsen in die innere Scharnierhälfe stecken ( geht leicht), Scharnierhälfen zusammenstecken und den neuen Bolzen im Schraubstock einpressen (gekerbtes Ende des Bolzens sitzt oben). Vorher gut fetten. Ergebnis ist eine spielfreie Türe welche perfekt eingestellt werden kann.
    Falls gewünscht, kann in die mittlere Türcharnierhälfte im zerlegtem Zustand ein Loch gebohrt werden. Anschließend Gewinde reinschneiden und Schmiernippel einschrauben (ich hab's nicht gemacht).
    Ich hoffe es ist soweit verständlich?
    Viel Erfolg und viele Grüße,
    Thomas

  • Hallo Thomas,

    erstmal vielen Dank für die Beschreibung.

    Die Hülsen gehören also in die innere Bolzendurchführung gesteckt? Wenn Du alte Hülsen aufgesägt hast, waren bei Dir in den äußeren Durchführungen dann auch Hülsen drin?

    Ciao

    J.

  • Hallo Jörg,

    nochmals etwas ausführlicher. Du baust die Türe aus (Schrauben an der A-Säule lösen). An der ausgebauten Türe schraubst Du die Scharniere ab.
    Dann klappst Du die Scharniere zusammen (wie wenn die Türe geschlossen ist). Du sägst mit einer schmalen Eisensäge in beide Spalte der Scharnierhälfe den Bolzen und die Büchsen durch. Damit ist das Scharnier getrennt und Du hast zwei Hälten. In der inneren Scharnierhälfte (an der A-Säule) stecken die Messingbuchsen. Der Durchmesser der inneren Scharnierhälfte ist größer (zur Aufnahme der Buchsen). Die alten Buchsen können mit einem Durchschlag ausgetrieben werden (falls nicht, Aussendurchmesser der neuen Buchsen messen und mit einem entsprechenden Bohrer durchbohren). Die beiden Buchsen oben und unten in die innere Scharnierhälfte stecken und im Schraubstock einpressen.
    Die abgesägten Bolzen der äusseren Scharnierhälfe (an der Türe) mit Hilfe einer 8 mm Schraube (als Druckstück) und als Gegenhalter 1, bzw. später 2, 10mm Muttern im Schraubstock auspressen. Der Durchmesser der äusseren Scharnierhälfte ist gleich des Bolzendurchmessers. Der Durchmesser der inneren Scharnierhälfe ist gleich des Durchmessers der Messingbuchsen. Du kannst also die Buchsen nicht in die äussere (Türe) Scharnierhälfe einpressen. Der Bolzen sitzt fest in der äusseren Scharnierhälfte. Der Drehpunkt d.h. die Passung findet zwischen dem Bolzen und der Messingbuchse der inneren Scharnierhälfte statt. Deshalb auch die Möglichkeit einen Schmiernippel einzuschrauben. Dann kann man mittels Fettpresse das Scharnier immer mal wieder abgeschmieren.
    Wenn's jetzt noch nicht klar ist, schick mir Deine E-Mailadresse, ich schicke Dir eine Zeichnung.
    Die Teile im Schraubstock wieder einzupressen ist überhaupt kein Problem (Fett nicht vergessen, lieber zu viel als zu wenig, Rest wird rausgedrückt).

    Viel Erfolg,

    Thomas

  • Nach dem Einpressen der Messingbuchsen kann es sein dass sich der Scharnierbolzen nur sehr streng einführen lässt. Dies kann im Extremfall dazu führen dass sich die Messingbuchsen beim bewegen des Scharnieres dann mittdrehen. Das darf nicht sein weil dann das Scharnier in kurzer Zeit kaputt ist und dann nicht mehr repariert werden kann.
    In diesem Fall müssen die Buchsen mit einer Reibahle aufgerieben werden bis sich der Bolzen mit sanftem Druck einführen lässt. War bei mir schon in zwei Fällen so.

    Gruß Millenove

  • Ciao a tutti,

    auch ich mache mich garade daran die Türscharniere zu überholen bzw. zu tauschen. Ich bin mir da noch nicht ganz sicher. 72er Bertone.

    1. Ich habe einen vermutlichen Reprosatz Scharniere ( Foto) . Material ist Messing-Guß, dem Gewicht und der Farbe nach. Bolzen Stahl.
    Ich habe die Teile probehalber zusammengesteckt. Es ist bereits ein geringes Spiel fühlbar. Frage: Entspricht das der Serie? Kann man diesen Satz mit ordentlichem Ergebnis verbauen, oder handelt es sich um mangelhafte China-Ware.

    2. Welche Methode habt Ihr angewandt um die Türe ohne zweiten Mann auszubauen? Mein Plan ist es die Tür an meinen Motorkran mit Zurrbändern mittig aufzuhängen, sodass sie praktisch "schwebt"

    3. Ist ein Reparatursatz empfehlenswert oder lieber Austauschteile, wie sie von den einschlägigen Händlern angeboten werden. Ich habe Zugang zur mechanischen Werkstätte in unser Firma. Die können fräsen, reiben, drehen.

    4. Einstellmethode. Ich habe gehört, dass soll heikel sein. Bis auf das Spiel , sitzen die Türen sehr gut. Wie werden die Türen am besten eingestellt?

    Grazie mille

    Jürgen

  • Servus der Herr!

    1-Mann - Aus- und speziell Einbau der Türen ist nicht ratsam ausser du willst danach lackieren.
    Empfehlung für den Einbau: 2. Person mit ruhigem Gemüt, Feingefühl und stabiler Kondition bei statischer Muskelanpannung, sollte intuitiv und exakt deinen Anweisungen folgen können...

    Bei komplett neuen Scharnieren solltest du auf die Anfertigung von Zwischenblechen vorbereitet sein.

    Wenn´s wirklich genau geht kann die Einrichtung pro Seite schon mal eine Stunde dauern (erst im Herbst selbst gemacht die Aktion).
    Kritisch ist immer der vordere Spalt beim testweisen Schliessen der Tür, das muss alles in Zeitlupe gehen sonst ist der Lack ab. Durch die lustig-dreidimensionale Anordnung der Scharniere hat man alle erdenklichen Freiheitsgrade, viel Denken und Probieren.
    Erstmal 2 Schrauben je Scharnier, Höhe in etwa einrichten (wichtigste Referenz ist die Lichtkante, die muss vorne und hinten passen). Dann die Fläche zum Kotflügel, nicht zu weit raus mit der Tür sonst Kantenkontakt! Spalt vorne/ hinten am Schluss mit Zwischenlage wenn nötig.

    Generell die beiden Scharniere nicht gegeneinander verspannen, also z.B. bei der Einstellung oben-rein auch unten leicht lösen damit es sich mitdrehen kann.


    Besser finde ich die Überholung originaler Scharniere, ob mit Rep-Satz oder selbstgedreht ist egal wenn´s passt. Wenn du die Bronze(!)büchsen selbst drehst dann nach dem Einpressen passend zum Bolzen aufreiben, wie genau die Rep-Sätze sind weiss ich nicht.

    Grüße Marc

    Grüße aus München

    Marc

    Einmal editiert, zuletzt von Marc1750 (1. Februar 2015 um 19:06)

  • Werte Herren,

    heut hab ichs mal in Angriff genommen, da das Wetter auch in Italien mal schlecht ist. Hier der Zwischenbericht.

    Hab erstmal die Türe mit Spannbändern am Motorkran aufgehangen und den vorderen Türspalt mit Isolierband abgeklebt. Sicher ist sicher.
    Danach erfolgte der Ausbau des oberen fahrerseitigen Scharniers. Dieses Scharnier ist stark verschlissen und hat ein enormes Spiel. Nach dem Einbau des neuen Scharniers konnte man die Tür zwar schließen, aber hängt nach unten. Die erste Analyse hat ergeben, dass das Neuteil dicker aufbaut und auch die Scharnierachse bezogen auf die Anschraubfläche ein größeres Maß hat ( Foto). Somit kippt die Türe von der Seite gesehen nach hinten.

    Nun das untere Scharnier getauscht. Das Originalteil ist noch gut und spielfrei. An der A-Säule war eine ca. 4mm dickes Alu-Distanzblech unterlegt.

    Die Türe hängt nun nicht mehr, sondern steigt leicht an. Der Türspalt vorn ist jedoch sehr groß ( ca. 8 mm). Der hintere Spalt hat nur noch ca 3 mm.

    Analyse: Mein Vorgänger hat die hängende Türe durch ein Distanzblech wieder geradegestellt. Das hat zwar funktioniert, jedoch mit einer wackelnden Türe, da er auf die Reparatur des verschlissenen oberen Scharniers verzichtet hat, der eigentlichen Mängelursache. Auch war der hintere Türspalt zu eng.

    Die Ersatzscharniere bauen dicker auf, deshalb steht die Türne nun weiter hinten. Da hilft wohl nur noch der Bandschleifer.

    Vom Gewicht sind die Ersatzscharniere deutlich schwerer, da sie aus Messing gefertigt sind. Die Originalteile fühlen sich nach Alu an.

  • Ciao

    mich würde es interessieren, auf welches Maß der vordere Türspalt üblicherweise eigestellt wird. Bei mir sinds aktuell, wie auf den vorher gezeigten Bild Nr.5 zu sehen 8,25 mit der Schieblehre gemessen. Ich denke 4 - 5 sollte der Zielwert sein.

    Grazie

    Jürgen

  • Wie Groß ist denn jetzt das Spalt Maß Vorne?
    Also wie viel der Türspalt vorne in mm sein sollte ist nicht so Interessant, Wichtig er sollte in etwa vorne und hinten gleich groß sein, sprich mit dem Auge sollte man keinen Unterschied zwischen vorne und hinten sehen können!
    Wenn das nicht möglich ist , hilft nur noch abdrehen der Scharniere.

    Gruß Speedy

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