Lederrestaurierung

Mit diesem Bericht möchte ich die Erfahrungen weitergeben, die ich mit der Restaurierung meines Autoleders gemacht habe. Es handelt sich dabei um die Aufarbeitung der Sitze eines Ferrari 308 GTB, jedoch ist diese Anleitung auf Lederinnenausstattungen im Allgemeinen übertragbar. Ja, sogar für Ledermöbel, Kleidung, Gepäckstücke, etc. kann das Verfahren angewendet werden.

 

Vorgeschichte: Warum Autoleder restaurieren ?

Zuerst ein paar Sätze dazu, wie es überhaupt dazu kam, daß sich mir die Frage nach einer Restaurierung meiner Autositze überhaupt stellte. Das Fahrzeug, nun auch schon über 20 Jahre alt mit knapp 100.000 km auf der Uhr befindet sich in einem sehr guten, mechanisch penibel gewarteteten und karosseriemäßig vollrestaurierten Zustand. Seit der Karosserierestaurierung vor 2 Jahren stachen immer die Ledersitze durch ihren traurigen Zustand ins Auge. Salopp gesagt, die Sitze zogen das ganze Auto runter. Leider habe ich es versäumt, ganz zu Beginn des Projekt Fotos vom Urzustand der Sitze zu machen, da ich erst nach Beginn auf die Idee kam, ich könnte doch einen Bericht daraus machen. Trotzdem möchte ich den Zustand der Sitze einigermaßen zeigen. Seht mir deshalb die Qualität dieser beiden Bildernach. Ich denke aber, man sieht darauf doch einiges vom traurigen Zustand des Leders.



Urzustand der Ledersitze


... und nochmal von vorn


Zu einem solchen Erscheinungsbild kommt es einerseits, weil man einen Schuhlöffel braucht, um in das Auto einzusteigen, also gerade die der Einstiegseite zugewandten Seiten stark beansprucht werden. Zum anderen haben sich diverse Vorbesitzer des Autos nicht besonders mit Lederpflege abgegeben. Als ich das Auto seinerzeit mit 65.000 km gekauft habe, war das Leder hart wie Karton und sah schon so ähnlich wie auf den Bildern aus. Durch eine sofortige Behandlung mit einem Lederpflegemittel habe ich zumindest vermieden, daß sich irreparable Trockenbrüche oder gar Risse bildeten und habe die Sitze damit in einem zumindest restaurierbaren Zustand erhalten. Und so habe ich mir monatelang den Kopf darüber zerbrochen, wie ich vorgehen sollte, um die Sitze wieder in einen Zustand zu versetzen, der dem Gesamtbild des Auto entsprach.

 

Sattlerarbeit oder Neufärben?

Natürlich habe ich mich bei Schrauberkollegen, Sattlern und Restaurierungsfirmen erkundigt und danach gefragt, was sie mir raten würden. Und hier bekam ich die unterschiedlichsten Auskünfte und Ratschläge. Die Kollegen von der Fraktion  „Immer-Alles-Neu“ ‚ rieten natürlich zum Naheliegendsten. Und dies bedeutet, die Sitze zum Sattler zu bringen und mit nagelneuem, makellosem Leder beziehen zu lassen. Genau dies - mit etwas anderem habe ich dort auch nicht gerechnet - rieten mir diverse Sattlerfirmen.

Dann las ich in der Zeitschrift ‚Oldtimer-Markt‘ irgendwann einen hochinteressanten Bericht über das Neueinfärben von Leder. Dieser Bericht weckte mein Interesse besonders auch deshalb, weil mein Leder im Grund so schlecht gar nicht war. Es hatte keine ernsten mechanischen Beschädigungen, wie Löcher, Risse, etc. Es war einfach nur so, daß besonders an den stark beanspruchten Stellen die ursprüngliche Lederfarbe abgerieben war oder z.T. regelrecht abblätterte, an den besonders der Sonne ausgesetzten Stellen war das Leder hart wie Pappe. Im Übrigen fühlten sich die ganzen Sitze an wie Plastik, statt wie echtes Leder.


Neufärben war die Entscheidung

Erst einmal habe ich mich intensiv über das in der ‚Markt‘ beschriebene Nachfärbeverfahren informiert ,aber trotzdem weiter nach Alternativen umgesehen. Je mehr ich mir grundsätzlich über das Nachfärben Gedanken machte, desto mehr überzeugte mich diese Idee. Was letztlich meine Entscheidung zwischen Neubeziehen und Nachfärben zugunsten letzterem beeinflusste, war folgender Gesichtspunkt. Ich strebe bei meinen Arbeiten an alten Autos grundsätzlich danach, originale, brauchbare Teile zu erhalten und zu restaurieren. Ich lehne es ab, blindlinks alles wegzuschmeißen und durch neue Teile zu ersetzen. Beim Leder kommt dazu, daß man bei "Sonderangeboten" oft minderwertiges Leder bekommt, das zwar 1 bis 2 Jahre toll aussieht, aber dann durch die im Auto vorkommenden hohen Beanspruchungen schnell verschleisst. Stichwort Möbelleder, welches auf der heimischen Couch lange halten mag, im Auto ständig der prallen Sonne, extremen Temperaturunterschieden und viel höheren mechanischen Verschleiß ausgesetzt, im Zeitraffertempo  altert. Dann ist es so, daß es sich bei ‚meinem‘ Leder um Connolly – Leder handelt, welches einen legendären Ruf hat. Daß es da auch Unterschiede gibt, Connolly-Leder ist nicht gleich Connolly-Leder, dazu später noch kurz mehr. Aber erst einmal bekräftigte auch das meinen Wunsch, das Leder zu erhalten, mit welchem das Auto seinerzeig ausgeliefert wurde und nicht mit irgendeinem Leder, das der Sattler vielleicht gerade günstig anbieten kann, zu ersetzen. Diese Bemerkungen sollen keineswegs den Eindruck erwecken, ich wäre der Meinung, Sattlerarbeiten wären grundsätzlich die Methode 2. Wahl. Nur bin ich eben der Meinung, man sollte, wenn es schon inzwischen gute Verfahren gibt, altes Leder, wenn es nicht irreprabel vernachlässigt und zerstört ist, möglichst erhalten.

 

Neueinfärben o.k, aber mit welchem Produkt?

Nachdem ich mich, wie oben erwähnt durch Prospektmaterial, Preislisten und Telefongesprächen über das Produkt aus der ‚Oldtimer-Markt‘ eingehend informiert hatte, stieß ich irgendwann auf ein amerikanisches Erzeugnis, welches ebenfalls mein Interesse weckte und letztendlich überzeugte. Warum, möchte ich an dieser Stelle erzählen. Das in ‚Oldtimer-Markt‘ beschriebene Verfahren basiert stark auf Lösungsmitteln. Die abschließende Lackschicht sitzt nach dem Neufärben auf der Oberfläche des Leders und isoliert das Leder gegen die Umgebung. Eigentlich wie gehabt und weiter unten noch näher erläutert. Dies ist bei dem amerikanischen Verfahren nicht so. Dieses ist zwar noch aufwendiger als erstgenanntes, aber die folgend beschriebenen Zusammenhänge leuchteten mir einfach mehr ein. Wer sich an dieser Stelle schon informieren möchte und des Englischen mächtig ist, kann die Webseite des Herstellers besuchen und dort auch viel über die Probleme und ‚Geheimnisse‘ von Leder und Lederpflege erfahren. Die Adresse lautet: www.leatherique.com

Die folgenden Ausführungen sind keine Werbung für Leatherique, sondern Ergebnis der Gedanken, die ich mir bei der Wahl des Verfahrens gemacht habe. Natürlich hat mich das, was der Hersteller auf seiner Webseite schreibt überzeugt. Und selbstverständlich wußte ich zu dem Zeitpunkt nicht, ob es sich um werbewirksames Geschwafel handelt, oder ob die Mittelchen wirklich was taugen.

Aber ich muß zugeben, daß mir der Hersteller viel erzählte, über das ich mir SO noch keine Gedanken gemacht hatte.

 

Was mich endgültig überzeugte

... war die allgemeine Schilderung, was bei der Pflege von Leder mit weitverbreiteten Pflegemitteln eigentlich passiert. Während der Ära, in die auch die bei alfisti.net hauptsächlich behandelten Autotypen gehören, nämlich die 60er, 70er und frühen 80er Jahre versahen die meisten Autoleder-Produzenten, das Leder mit einer relativ dicken Farbschicht auf Lösungsmittelbasis. Das führt dazu, wie oben schon erwähnt, daß das eigentliche Leder praktisch eine Isolierschicht erhält. Im Laufe der Jahre tun dann Schmutz, ‚Pflegemittel‘ auf Wachsbasis, etc. ein übriges, das Leder komplett von der Luft abzuschliessen. Autobesitzer, die ihrem Leder etwas Gutes tun wollen, kaufen dann teure Pflegemittel und tragen sie auf die Oberfläche auf. So auch ich, und ich mußte immer feststellen, daß sich das Leder, obwohl gut riechend, nach kürzester Zeit wieder wie Plastik oder Pappe anfühlte. Es verhielt sich so ähnlich wie mit den altbekannten Möbelpolituren mit was weiß ich was für Ingredienzien, die für’s Holz gut sein sollen, aber auf LACKIERTE Oberflächen aufgetragen werden.

Kommen wir aber wieder aufs Leder zurück. Die Leatherique-Produkte bauen auf der Überzeugung auf, daß dem Leder grundsätzlich seine ursprünglichen Eigenschaften erst einmal zurückgegeben werden müssen, bevor man überhaupt an neue Farbe denkt. Die ursprünglichen Eigenschaften wie Festigkeit, Geschmeidigkeit, eben das typische Ledergefühl. Dazu gehört aber auch, daß solche erwähnten Isolierschichten erst einmal ‚aufgebrochen‘ werden müssen, um es irgendwelchen Pflegesubstanzen überhaupt zu ermöglichen das Leder zu erreichen. Und hier liegt auch der hohe Zeitaufwand in der Verarbeitung der Produkte begründet. Und im Gegensatz zu den übrigen Neueinfärbungen dringt auch die Farbe ins Leder ein, statt nur ‚obendrauf‘ zu sitzen. Auch geeignet für nicht restaurierungsbedürftiges Leder

An dieser Stelle möchte ich erst einmal einfügen, daß Teile der für die Restaurierung notwendigen  Leatherique-Produkte auch für die Behandlung von nicht restaurierungsbedürftigem Leder geeignet sind. D.h. für Leder, welches noch gut aussieht, aber sich einfach nicht mehr gut anfühlt.
So gibt es ein Pflegeöl namens ‚Rejuvenator Oil‘, welches nach der Behandlung dem Leder die ursprünglichen Eigenschaften zurückgibt und ein Reiniger namens '‚Prestine Clean‘, welcher die vom Pflegemittel tief gelösten Verschmutzungen beseitigt.

Die Anwendung als regelmäßige Pflege ist einfach und wenig aufwendig. Ich möchte deshalb hier nicht weiter darauf eingehen sondern mit der Lederrestaurierung fortfahren. Wen es interessiert, der kann auf o.g. Webseite unter ‚Instructions‘; ‚Oil Instructions‘ erfahren, wie die Mittel zur regelmäßigen Pflege richtig zu verwenden sind.

Hier möchte ich schon einmal erwähnen, daß die Arbeiten nicht an einem Wochenende durchzuziehen sind. Dafür sind schon die notwendigen Trocknungszeiten zwischen den einzelnen Behandlungsschritten zu lang. Ich würde sagen, es handelt sich um ein typisches ‚Winterprojekt‘, beheizbare Räumlichkeiten vorausgesetzt, denn man kann die Sitze tage- oder eher wochenlang nicht benutzen. Eile ist auch absolut unangebracht, weil die Qualität des Ergebnisses zu 90 % von der Gründlichkeit der  Vorarbeiten abhängt. Das abschliessende Einfärben ist am wenigsten aufwendig.

 

Was ist als erstes zu tun?

Als erstes sind natürlich die Sitze aus dem Auto auszubauen. Dies ist in den meisten Fällen schnell erledigt. Wie vorzugehen ist, ist oft selbsterklärend oder ergibt sich aus dem Ersatzteilkatalog. Anschliessend ist eine gründliche Vorreinigung mit dem Staubsauger vorzunehmen. Noch besser ist es, falls vorhanden, die Ritzen und Falten mit Druckluft auszublasen. Krümel, Sand und Staub sollten auf jeden Fall penibel beseitigt werden.

Ebenfalls empfehlenswert ist es die Sitzverstellmechanik abzubauen. Denn erstens stören diese mechanischen Teile meistens während den nachfolgenden Arbeiten. Zum zweiten sind sie meist verdreckt und schmierig, und bei den folgenden Arbeiten ist nichts so sehr fehl am Platz wie fettige Mechanikteile. Und ausserdem kann man die Gelegenheit wahrnehmen und auch mal die Sitzmechanik aufarbeiten (reinigen, evtl. entrosten, neu lackieren und mit frischem Fett versehen).

Ist dies erledigt, so kommt der Punkt, wo eine wichtige Entscheidung zu fällen ist. Dazu muß der Zustand der Farbschicht des Leders begutachtet werden. Ist der Zustand so, daß das Leder noch eine geschlossene Farbschicht hat und nur wenige abgescheuerte Stellen aufweist, so rät Leatherique dazu, als erstes eine Behandlung mit dem ‚Rejuvenator Oil‘ durchzuführen.

In meinem Fall, und darauf möchte ich hier den Schwerpunkt setzen, war das nicht der Fall. Mein Leder war mit vielen, z.T. großflächigen Scheuerstellen und Abblätterungen verunstaltet, wodurch ich  mich zu der konsequentesten Verfahrensweise veranlasst sah. Und die sieht so aus, daß die alte Lederfarbe so weit wie möglich entfernt werden muß. Und dies ist gleichzeitig die unangenehmste Arbeit des ganzen Projekts. Vielleicht dient es der Motivation, wenn ich bemerke, daß wenn dies geschafft ist, alles weitere höchst angenehm durchzuführen ist.

Entschliesst man sich zu diesem Schritt, so sollte man unbedingt den Sitz komplett in seine Einzelteile zerlegen, d.h.: Lehne und Sitzkissen müssen voneinander getrennt und ebenfalls die evtl. vorhandene Kopfstütze abgebaut werden.

 

Leder entfärben

An dieser Stelle hatte ich im Vorfeld die größten Bedenken, denn es bedeutet, die Sitze mit Lackverdünnung zu bearbeiten. Also hab‘ ich erst einmal versucht an einer unsichtbaren Stelle mit einem mit handelsüblicher Nitroverdünnung getränkten Lappen das Leder zu bearbeiten. Und siehe da, das ging besser als ich dachte. Und die größte Überraschung war, daß sich das Leder an dieser Stelle gleich ‚ganz anders‘ anfühlte. Weich und geschmeidig, wie Leder halt. Also hab‘ ich mich entschlossen, so weiterzumachen.

Was man an dieser Stelle braucht, ist jede Menge Nitroverdünnung - am besten man kauft sich gleich einen preisgünstigen 5- oder 6L-Kanister - und Frotteelappen. Letztere sind am geeignetsten, weil sich dieser Stoff nicht so schnell mit der gelösten Farbe zusetzt. Alte, am besten helle Handtücher in handliche Stücke geschnitten, sind wie geschaffen für diese Arbeit.

Im Gegensatz zu den restlichen folgenden Arbeiten, die in einer ‚geheizten Stube‘ stattfinden müssen, würde ich empfehlen, die Entfärberei mit der Nitroverdünnung im Freien durchzuführen, denn man braucht sehr lange und die Lösungsmitteldämpfe sind nicht gerade gesund und auch nicht angenehm.
Aber auch im Freien empfehle ich das Tragen von Atemschutz und Gummihandschuhen. Auf Bild 3 seht ihr wie ich ausgerüstet war. Ich habe für das Entfärben der beiden Sitze insgesamt 7 Std. benötigt und fühlte mich danach bestens. Ich hab‘ schon mal 1 Std. im geschlossenen Raum trotz offener Fenster ohne Atemschutz mit Nitroverdünnung gearbeitet und fühlte mich danach wie ‚ein Schluck Wasser in der Kurve‘.


Atem und Handschutz ist notwendig!

Diese Arbeit ist leider etwas wetterabhängig, denn unterhalb 10°C frieren einem wegen der Nitroverdünnung trotz Handschuhen die Finger ab. Ich habe Anfang November ‚ein warmes Wochenende erwischt‘ und so war die Arbeit relativ angenehm durchzuführen.
Am besten geht man so vor, daß man einen sauberen Frottelappen reichlich mit Verdünnung tränkt und dann damit eine überschaubare Fläche des Sitzes bearbeitet. Keinesfalls die Verdünnung direkt auf das Leder auftragen und es damit tränken. Nach einigen Wischbewegungen hat man in der Regel schon so viel Farbe abgetragen, daß sich der Lappen beginnt zuzusetzen. Dann den Lappen wenden, evtl. nochmal mit Verdünnung gut anfeuchten und weiterwischen. Schnell kommt das eigentliche Leder zum Vorschein. So macht man abschnittsweise weiter. Nicht Übertreiben. Was keinesfalls passieren darf, ist, daß man durch zu starkes Scheuern Wildleder erzeugt. Aber keine Angst, man bekommt sehr schnell ein Gefühl dafür. Wenn die Farbe soweit abgetragen ist, daß das Leder durchschimmert, ist es genau richtig. Meine schwarzen Sitze waren am Schluß dunkelgrün/bläulich, wie auf Bild 4 zu sehen.


Sitz fertig entfärbt (beachte: der war mal schwarz)

Bei dem auf dem Bild sichtbaren immer noch tiefschwarzen Streifen handelt es sich um Kunstlederverzierungen, die sich der Nitroverdünnung gegenüber ‚gelassen‘ verhielten, und später beim abschliessenden Einfärben ausgespart werden, da sie sich noch in sehr gutem Zustand befanden. Der Hersteller verspricht zwar sehr gute Haftung auf dem Vinyl, aber eben nur AUF dem Vinyl, im Gegensatz zum Leder, wo die Farbe, wie schon betont, ins Material einzieht.
Die seinerzeit von Connolly angewandte Verfahrensweise, die Leder mit einer Lackschicht zu versehen, war damit Vergangenheit. Wie schon erwähnt, gab es auch von Connolly unterschiedliche Qualitäten, und in meinem Fall haben sie sich offensichtlich nicht die höchste ausgesucht. Heutige, moderne Leder unterscheiden sich deutlich von diesen älteren Materialien.

Nach dem Entfärben läßt man die Sitze gründlich mehrere Stunden, am besten über Nacht trocknen und begutachtet sie anschließend. Wichtig ist, daß man die Farbe gleichmäßig abgetragen hat. Es ist nicht unbedingt notwendig und auch nicht in letzter Konsequenz möglich die Farbe komplett zu entfernen. Dazu gibt es auch zu viele verwinkelte, schlecht erreichbare Stellen, z.B. an Kederkanten oder in Falten. Was auf jeden Fall runter muß, sind Stellen, wo die Farbe offensichtlich begann abzublättern. Aber wichtig ist, im Großen und Ganzen ein gleichmäßiges Ergebnis erreicht zu haben. Deshalb noch einmal die Begutachtung nach Trocknung. Durch die Feuchtigkeit der Verdünnung erscheint das Leder nämlich wesentlich dunkler als in trockenem Zustand, wo Stellen, die man nicht gründlich genug bearbeitet hat, besser auffallen. Diese Stellen kann man nun noch nachbessern. Anschließend muß die Verdünnung abermals mehrere Stunden trocknen.

 

Beschaffung der Produkte

An dieser Stelle ließ ich das Projekt gezwungenermaßen 2 Wochen liegen, weil ich die Leatherique-Produkte erst bestellen wollte, nachdem ich mir sicher war, daß die Entfärbung des Leders auch wirklich so klappte wie erhofft. Hier auch gleich der Hinweis, daß es eine europäische Niederlassung ( Webseite ) von Leatherique gibt, die ‚für sich‘ arbeitet und wo man die Sachen auch beziehen könnte. Davon habe ich abgesehen, weil ich einerseits gehört habe, daß die Lieferung quälend langsam sein soll und andererseits ich die Preise verglichen habe. Da sich die Niederlassung in Dänemark befindet, wird auf die Preise die dänische Mehrwersteuer von 25 % draufgerechnet. Trotz wenig einladendem Dollarkurs kam mich der Bezug vom Hersteller in Florida/USA wesentlich billiger. Am Schluß des Berichts liste ich noch einmal die benötigten Produkte und Mengen zusammen mit den Preisen auf. Mir wurden verschiedene Versand-Optionen angeboten und da ich es nicht eilig hatte, habe ich die billigste gewählt, für die eine Lieferzeit von 4 – 6 Wochen veranschlagt wurde. Zufall oder nicht, nach 10 Tagen war das Paket bei mir. Ausserdem bietet der amerikanische Hersteller Clubrabatte an, in deren Genuß ich kam. Obwohl ich in gar keinem Club bin, reichte das Berufen auf die Ferrari-MailingListe aus,  daß mir die Rabatte gewährt wurden. Auch die alfisti.net Associazione erhält Rabatte.

Ebenfalls empfiehlt es sich, vor der Bestellung ein persönliches e-Mail an den Hersteller zu schicken. Er macht einem dann ein individuelles Angebot, auch was die Versandkosten betrifft. Gut, bestellt habe ich jeweils einen Liter ‚Rejuvenator Oil‘ und ‚Prestine Clean‘, wie oben schon beschrieben, sowie jeweils einen Liter ‚Prepping Agent‘, zur Vorbereitung des Leders unmittelbar vor dem Einfärben, und einen Liter ‚Dye Connolly Black Natural Lustre‘. Letzteres ist die eigentliche Farbe, die in verschiedenen Glanzgraden angeboten wird. Bezüglich des Farbtons kann man dem Hersteller entweder den Original-Farbton mitteilen, oder falls es sich um ein ganz seltenes Fahrzeug handelt, oder der Name des Original-Farbtons nicht bekannt ist, kann man ihm ein kleines Stückchen Leder als Muster schicken. Dann mischt er die Farbe individuell an. Ein 2 x 2 cm großes Lederstück reicht. Dies sollte man natürlich irgendwo abschneiden, wo es nicht sichtbar ist. Z.B. unter dem Sitz. Das hat auch den Vorteil, daß das Leder dort nicht dem Licht oder sonstigen Beanspruchungen ausgesetzt war und noch am ehesten die Originalfarbe zeigt. Sind kleine oberflächliche Beschädigungen vorhanden, so gibt es hierfür einen speziellen, dünnflüssigen Lederspachtel namens ‚Crack Filler‘, von dem ich mir ebenfalls 100 ml bestellt habe.